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Duft im Zeichen der Erinnerung

Zwischen gewählter Abstinenz und wöchentlichem Ritual.

Erfahrungsbericht zur Veranstaltung aus der Reihe „Duftwelten“ in der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch am 18. März 2015.

Etwa 50 Interessierte versammelten sich in der Synagoge der jüdischen liberalen Gemeinde Or Chadasch, um mehr über die „Duftwelt“ des Judentums zu erfahren. In Vertretung des verhinderten Rabbiners Reuven Bar-Ephraïm empfing Rabbinerin Bea Wyler die Gruppe und gestaltete den Abend abwechslungsreich und spannend.
Wir erfuhren, dass Düfte im Judentum insgesamt zwar sparsam eingesetzt werden, aber doch eine Rolle spielen: In manchen Gemeinden wird am Versöhnungstag Jom Kippur, an dem streng gefastet wird und die Synagogengottesdienste länger dauern als gewöhnlich, eine mit Nelken besteckte Orange herumgegeben, um die Sinne aufzuwecken und den Magen und den Geist zu besänftigen. Da erfüllt der Duft eine ganz praktische Aufgabe. Auch wir durften an so einer besteckten Orange riechen - ein ungewohnter, starker Duft.

Dann nahm Rabbinerin Wyler uns mit auf eine Reise in die Geschichte: Sie legte verschiedene Stellen der Thora zu den Räucheropfern aus und philosophierte fundiert und gewitzt über die Düfte, die damals im Jerusalemer Tempel wohl geherrscht haben mögen. Mit der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 u.Z. fanden die Räucheropfer jedoch ein Ende.
Die Düfte sind aber nicht verschwunden, sondern in das Brauchtum bei Festen und in der Familie übergegangen. So wird am Ende des Schabbats  an einem speziellen Gewürzbehälter, der Besamimdose, gerochen, um auch mit einem anderen Geruch den Unterschied zwischen Schabbat und anderen Tagen anzuzeigen. Wir durften an der Besamimdose von Bea Wyler, die mit Myrtenblättern gefüllt war, riechen. Myrte, ein Duft, den man hier nicht oft riecht, fein!

Rabbinerin Wyler erzählte und erklärte uns kurzweilig über die Zusammenhänge und Verbindungen der jüdischen Hauptfeste mit den fünf Sinnen und schloss den Abend mit einer wunderbaren Anekdote über das stark duftende Basilikum, das in verschiedenen Ländern für ganz unterschiedliche Dinge benutzt wird: In Israel unter anderem als Ersatz für das Besamimdöschen, bei ihr, zum Unverständnis und Erstaunen ihrer Nachbarn in Israel, vor allem aber ganz profan zum Kochen… !

Ein lehrreicher und wunderbar abwechslungsreicher Abend, vielen Dank!

Melanie Handschuh, Delegierte der Christkatholischen Kirche im Zürcher Forum der Religionen