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Im Zeichen des Kreuzes – Die christliche Taufe

Erlebnisbericht vom 4. September in der Liebfrauenkirche Zürich

Die Taufe sei als Initiationsritus in allen christlichen Traditionen bedeutsam, aber sie werde nicht überall gleich praktiziert, erläutert Pfarrer Josef-Michael Karber zu Beginn seines historischen Überblicks den 30 Frauen und Männern, die am dritten Abend der Ver­anstaltungsreihe «Lebensanfang» teilnehmen. Und auch wenn die Taufe ein wichtiges Sakrament des Christentums sei, so habe es bereits im Judentum ähnliche Rituale des Ein- bzw. Untertauchens – dies der Wortsinn des griechischen «baptízein» – gegeben; ge­nerell spiele Wasser bei den Geburtsritualen vieler Religionen eine wichtige Rolle.

Wir sind in der katholischen Kirche Liebfrauen in Zürich, in der das Taufbecken erst kürz­lich wieder in den Eingangsbereich verlegt wurde und in der rund 70 bis 120 Taufen pro Jahr stattfinden. Dies nicht zuletzt von den eindrücklichen Wandbildern aus beobachtet von Johannes dem Täufer, der in den Wassern des Jordans Jesus Christus getauft hat, womit dieser gemäss Pfarrer Karber sein «Mit-uns-Sein» bezeugt hat.

Im Frühchristentum war die Taufe ein Ritual, das allen Beteiligten grossen Eindruck mach­te. Denn es bedingte eine lange Vorbereitung und bedeutete die Trennung von Gewohn­heiten und den Übergang in ein neues Leben bzw. eine neue Identität. Oft beim nächtli­chem Tauffeuer (klassisch in der Osternacht) wurde alles Bisherige abgelegt, und das neue Mitglied der Gemeinde wurde – wie auch heute noch in der russisch-orthodoxen Kirche – dreimal ins Wasser getaucht. Danach gab es eine Salbung durch den Bischof.

Die Erwachsenentaufe war Normalität, und es ist nicht ganz klar, wann mit der Taufe von Kindern begonnen wurde. Aber bereits im 4. Jahrhundert war sie verbreitet und im christi­anisierten römischen Reich des 5. Jahrhunderts mehr oder weniger «obligatorisch», was aufgrund der hohen Zahlen von Taufen zu Änderungen in der Kirchenorganisation und zu Taufritualen durch geweihte Priester führte. Teilweise in Frage gestellt wurde die Kindertaufe erst im 16. Jahrhundert, aber auch Reformatoren wie Luther oder Calvin hielten an ihr fest.

Mit der Kindertaufe ging einiges von der ursprünglichen Bedeutung der Taufe verloren, da ein Kind die Bedeutung des Rituals nicht ermessen kann. Zudem war die Kindertaufe während Jahrhunderten von einem heute überholten Verständnis einer Erbsünde geprägt, mit der alle Neugeborenen belastet seien und von der sie – um Zugang zum Himmel zu haben – «befreit» werden müssten. Pfarrer Karber betont, dass alle Kinder Kinder Gottes seien und damit rein und vollkommen, da gäbe es nichts abzuwaschen. Deshalb sei klar, dass auch alle Nichtgetauften in der Barm­herzigkeit Gottes stehen.

Der «Mehrwert» der Taufe liege in der Anbindung an die Gesellschaft und im Anvertauen an ein Leben mit Gott und Jesus Christus. So heisst es auch mit Bezug auf die Taufe: Ich habe dir meine Engel gesandt, um dich zu behüten. Und die Taufe sei ein Symbol dafür, dass wir alle geliebte Kinder Gottes sind, ein Geschenk an die Welt, mit dem Auftrag, uns mit unseren Fähigkeiten für sie einzusetzen. Ob wir dieses Geschenk schon ganz ausgepackt hätten, fragt Pfarrer Karber.

Konkret erfolgt die katholische Taufe im Namen der Dreifaltigkeit Gottes, also im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie geschieht mit Wasser sowie mit einer anschliessenden Salbung mit Chrisam, einem mit wohlriechenden Kräutern (Rosen, Myrrhe) angereicherten Olivenöl. Danach wird der oder die Getaufte weiss gekleidet, und der Familie wird eine an der Osterkerze angezündete Taufkerze übergeben. Damit wird das Licht des Glaubens anvertraut, das jeden Tag heller brennen soll. Vor der Taufe werden die Eltern nach ihrem Glauben gefragt und die Paten damit beauftragt, für das Kind da zu sein, zum Beispiel dann, wenn dies die Eltern nicht sein sollten oder könnten.

Im an die einleitenden Ausführungen anschliessenden offenen Gespräch wurden einerseits einige auf die Taufe bezogene Fragestellungen vertieft. Sie bezogen sich unter anderem auf Nottaufen, auf die innerchristliche Anerkennung von Taufen oder auf die päpstliche Aufhebung des «Limbo», in dem Nichtgetaufte stecken bleiben. Andererseits diskutierten die BesucherInnen intensiv über die Barmherzigkeit Gottes, die Bedeutung der Hölle und die Rolle des katholischen Kirchenrechts und erhielten durch Pfarrer Karber pointierte Antworten.

Christof Meier, Leiter der Integrationsstelle der Stadt Zürich und Vorstandsmitglied des Zürcher Forums der Religionen.