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Apfel und Honig

Erlebnisbericht zur Veranstaltung „Apfel und Honig“ aus der Reihe "Gaumenfreuden" in der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich am 6. September 2017.

Über 40 Teilnehmende haben sich im Gemeindehaus der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich eingefunden, um von Ruth Gellis in die jüdischen Neujahrstraditionen eingeführt zu werden. Frau Gellis erklärt, dass das Neujahrsfest im Judentum immer im Herbst gefeiert wird. Rosch Haschana, das jüdische Neujahrsfest, bedeutet auf Deutsch «Kopf des Jahres», da es den Beginn des jüdischen Kalenderjahres darstellt. Dieses Jahr wird im Judentum das Jahr 5778 gefeiert. Gemäss dem jüdischen Glauben wurde am ersten Rosch Haschana der erste Mensch von Gott erschaffen. Ruth Gellis erklärt, dass in der Tora zwar steht, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, aber dass gemäss der mündlichen Überlieferung sowie Erklärungen von jüdischen Gelehrten wie z.B. Moses Maimonides die ersten 6 Tage viel länger als 24 Stunden gedauert haben. Sie betont, dass das modern-orthodoxe Judentum die Wissenschaft nicht als Widerspruch, sondern als Ergänzung zur Tora erachtet. Die Tora selbst bestimmt die Moral und Ethik. Deshalb werden auch wissenschaftliche Berechnung der Entstehung der Welt anerkannt.

Rosch Haschana wird auch als Tag des Gedenkens, Tag des Urteils, sowie Tag des Schofarblasens bezeichnet. Das Schofar ist ein gewundenes Instrument aus dem Horn eines Widders. Es erinnert an die geplante Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham, von der in der Tora berichtet wird. Gottes Engel hielten Abraham davon ab, seinen Sohn Isaak Gott zu opfern. An seiner Stelle wurde dann ein Widder geopfert. Dies war eine klare Deklaration Gottes gegen die Menschenopferung, die zu dieser Zeit von Götzendienern praktiziert wurde. Frau Gellis weist darauf hin, dass viele Gebote in der Tora als Abgrenzung zum Götzendienst erteilt wurden. Das Schofarblasen kann auch mit dem Blasen von Posaunen bei der Krönung eines Königs verglichen werden, denn Gott wird im Judentum auch als der König der Könige bezeichnet.

Frau Gellis erklärt, dass im Judentum die Tage schon am Vorabend beginnen, da in der Beschreibung der Erschaffung der Welt in der Tora steht: „Es wurde Abend, es wurde Morgen, erster Tag.“ Deshalb fängt das Neujahrsfest am Abend an. Nach dem Abendgebet versammelt sich die Familie zusammen mit Gästen zu einem Festessen. Dieses wird, neben den an Schabbat und Festtagen üblichen Segenssprüchen über den Wein und den zwei Brotzöpfen, mit einem speziellen Neujahrsritual eröffnet. Dafür segnet der Hausherr einen Apfel, tunkt diesen in Honig und sagt dazu ein Gebet für ein süsses neues Jahr. Das jüdische Neujahrsfest dauert zwei Tage. Am zweiten Abend werden dann, statt Apfel und Honig, Granatapfelkerne gegessen. Diese sollen einerseits die 613 Ge- und Verbote in der Tora und anderseits Fruchtbarkeit symbolisieren. Zum Dessert ist es Tradition, einen Honigkuchen zu servieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung können die Teilnehmenden die vorgestellten traditionellen Speisen gleich selber degustieren.

 

Sandra Vogel, Mitarbeiterin Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen