Verantwortung und Fürsorge
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Verantwortung und Fürsorge. Tierschutz und Tierethik im Judentum» aus der Reihe «Mitgeschöpfe. Die Bedeutung von Tieren in fünf Religionstraditionen» in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich.
28. Mai 2026, Paula Stähler, Delegierte der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
Der Abend im Gemeindezentrum der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) begann mit einer herzlichen Begrüssung durch Mirjam Läubli vom Zürcher Forum der Religionen und der anschliessenden Vorstellung der ICZ durch Rabbiner Noam Hertig.
Der Rabbiner Noam Hertig führte dann die knapp 25 Teilnehmer*innen durch die jüdische Tradition des Umgangs mit Tieren. Dazu erhielten alle ein reichhaltiges Quellenblatt, welches biblische Texte ebenso zitierte wie rabbinische Ausführungen aus verschiedenen Jahrhunderten sowie zeitgenössische Texte zu Praxisfragen.
Noam Hertig gelang es, konzentriert und stringent anhand der Quellen durch das Thema zu führen, zugleich anschaulich und lebensnah zu erzählen und ein weites Spektrum an angrenzenden spannenden Themen zu öffnen – allein innerhalb der ersten 10 min des Anlasses wurden etwa fünf weitere Themenabende geteasert.
Inhaltlich stand besonders der respektvolle Umgang mit Tieren im Zentrum: Als Mitgeschöpfe sollen sie sorgsam behandelt und niemals (grundlos) gequält werden. Zugleich wurde die Güterabwägung und Entscheidungsfindung diskutiert, die im Rahmen menschlicher Nutzung von Tieren notwendig wird, etwa durch Fleischkonsum oder medizinische Tierversuche.
Als besonders wichtigen Aspekt in der jüdischen Haltung zum Tierschutz wurde dessen «Zweiseitigkeit» hervorgehoben: Tiere zu schützen nützt den Tieren – zugleich aber schützt es auch uns Menschen, denn es kann uns davor bewahren, grausam zu werden oder unser Mitgefühl zu verlernen. So gehören Tierschutz und «Menschenschutz» untrennbar zusammen.
Im Anschluss an die Ausführungen gab es für die Teilnehmer*innen die Gelegenheit, Fragen zu stellen und es entstand eine angeregte und spannende Gesprächsrunde. Diese wurde bei Wasser und Chips auch nach dem Vortrag noch weitergeführt, bevor sich die Teilnehmer*innen nach diesem lehrreichen und kurzweiligen Abend wieder in die Zürcher Frühsommerhitze verabschiedeten.
