Die Rechte aller Wesen
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Die Rechte aller Wesen. Barmherzigkeit gegenüber Tieren im Islam» aus der Reihe «Mitgeschöpfe. Die Bedeutung von Tieren in fünf Religionstraditionen» im ImanZentrum Volketswil.
12. Mai 2026, Krishna Premarupa Dasa, Delegierter des Schweizerischen Dachverband für Hinduismus
Am Dienstag, 12. Mai 2026, führte uns die Veranstaltungsreihe «Mitgeschöpfe» des Zürcher Forums der Religionen ins ImanZentrum Volketswil. Der Abend stand unter dem Thema «Tiere im Islam» und bot spannende Einblicke in einen Aspekt des Islams, der vielen Menschen wenig bekannt ist.
Bereits beim Betreten des grossen Gebetsraums wurden die Gäste herzlich empfangen. Bevor der Anlass offiziell begann, sorgte die Moschee-Katze für Aufmerksamkeit und Sympathie. Sie bewegte sich frei im Gebetsraum und wurde von vielen Teilnehmenden mit Freude wahrgenommen.
Durch den Abend führte uns Imam Kaser Alasaad. Er stammt aus Syrien, wo er islamische Theologie studierte, und lebt seit 2013 in der Schweiz. Er ist Imam des ImanZentrums Volketswil, Seelsorger in den Bundesasylzentren Zürich, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und engagiert sich seit vielen Jahren für den interreligiösen Dialog sowie für ein respektvolles Zusammenleben in der Gesellschaft.
Zunächst erhielten wir eine Einführung in die Moschee und ihre vielfältigen Aktivitäten. Anschliessend rezitierte der Imam die erste Sure des Korans auf Arabisch. Danach begaben wir uns in den Schulungsraum im zweiten Stock, wo der eigentliche Vortrag stattfand.
Unterstützt durch eine übersichtliche Präsentation erläuterte Imam Kaser Alasaad die Stellung der Tiere im Islam. Im Mittelpunkt stand die Auffassung, dass Tiere Geschöpfe Gottes sind und daher Anspruch auf Respekt, Fürsorge und einen verantwortungsvollen Umgang haben.
Anhand von Koranversen und Überlieferungen wurde aufgezeigt, dass Barmherzigkeit gegenüber Tieren einen festen Platz in der islamischen Tradition einnimmt. Besonders interessant war die Überlieferung, dass der Prophet Muhammad einer durstigen Katze Wasser gab. Nachdem die Katze daraus getrunken hatte, trank auch er selbst aus demselben Gefäss. Diese Erzählung verdeutlicht den respektvollen und liebevollen Umgang mit Tieren im Islam.
Ebenso eindrücklich war die Geschichte einer Frau, die einem durstigen Hund Wasser gab und dafür die Vergebung von Gott erhielt.
Imam Kaser Alasaad sprach zudem darüber, dass Tiere nicht nur korrekt behandelt werden sollen, sondern dass auch Liebe, Zuneigung und positive Gefühle ihnen gegenüber wichtig sind. Tiere nehmen demnach menschliche Gefühle wahr und reagieren auf Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Fürsorge.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass Tierquälerei im Islam ausdrücklich verurteilt wird. Auch Nutztiere besitzen Schutzrechte. Der Schutz und die gute Behandlung von Tieren werden nicht als freiwillige Tugend verstanden, sondern als ethische und religiöse Verpflichtung.
Die verständliche Darstellung, die zahlreichen praktischen Beispiele und die ruhige, offene Art des Referenten machten das Thema für die Zuhörenden leicht zugänglich.
Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde, in der unterschiedliche Anliegen und Sichtweisen diskutiert wurden. Die offene Gesprächskultur trug wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Beim anschliessenden Apéro mit syrischen Spezialitäten wurden die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortgesetzt.
