Bestattungsetiketten
Erlebnisbericht zum Workshop «Bestattungsetiketten. Bestattungen aus Sicht von vier Religionstraditionen» im Rahmen des Festivals «Hallo, Tod!» im Kulturhaus Helferei
27. August 2023, Cemile Ivedi, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Im Workshop «Bestattungsetiketten. Bestattungen aus Sicht von vier Religionstraditionen» bekamen die Teilnehmenden von religiösen Betreuungspersonen aus der christlich-katholischen, hinduistischen, jüdischen und muslimischen Religionstradition Inputs zu Verhaltensregeln, Umgangsformen, Bräuchen und Ritualen rund um die Themen Tod und Bestattung.
Die rund 40 Teilnehmenden wurden anfangs in vier Gruppen eingeteilt, die in separaten Räumen des Kulturhauses Helferei starteten. Jede Gruppe erhielt während 15 Minuten Einblick in eine der vier Religionstraditionen und wechselte danach weiter zur nächsten Station.
Foto: Jens Zimmer
Der Referent Satish Joshi, Präsident des Schweizerischen Dachverbands Hinduismus, bezeichnet sich selbst als interreligiöser Hindu. Er erklärte, dass Verstorbene gewaschen, eingekleidet und mit Blumen in ein weisses Tuch gewickelt werden. Traditionell werden in Indien Verstorbene auf einer Bahre aus Bambus zum Verbrennungsplatz am Fluss getragen, wo bereits Holz bereitliegt. Nach dem Entzünden des Feuers rezitiert ein Priester Mantras. Die Asche wird später in einen heiligen Fluss gestreut. Satish Joshi war weiss gekleidet, weil dies die hinduistischen Trauerfarbe ist. Er erzählte von Verhaltensregeln in einem Todesfall. Das Mitgefühl und die Anteilnahme werde oft durch sanften Körperkontakt ausgedrückt, indem man beispielswese die Trauernden an der Schulter oder am Oberarm berührt.
Da der Rabbiner der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch, Ruven Bar Ephraïm, kurzfristig absagen musste, übernahmen Annette Brunschwig und Amos Hintermann den jüdischen Teil. Sie sprachen darüber, dass beim Besuch einer Grabstätte ein Stein auf den Grabstein gelegt wird, als Symbol für die Ewigkeit. Auf die Frage, welche Kleidung für eine Beerdigung angemessen sei, antwortete Annette Brunschwig, dass die Kleidung nicht so wichtig sei. Sie erzählte, dass bei einer Beerdigung in ihrem Bekanntenkreis auch schone eine Frau im Skianzug erschien. Entscheidend sei die Anwesenheit, nicht das Outfit.
Foto: Jens Zimmer
Die katholische Theologin Hella Sodies, die seit neun Jahren die Pfarrei Greifensee mit ihrem Mann leitet, brachte Themenkarten mit, die Aspekte wie Kleidung, Spenden und Kondolieren aufgriffen. Sie hob hervor, dass heutige Trauerfeiern zwar Traditionen aufnehmen, aber zunehmend individuell gestaltet sind. Auf die Frage, was für Gäste an einer Trauerfeier ein Tabu sei, antwortete sie klar: ein klingelndes Telefon.
Foto: Jens Zimmer
Zum muslimischen Teil sprach Seelsorgerin Nilüfer Çetin. Sie erklärte, dass im Islam eine Bestattung so rasch wie möglich erfolgen soll und dass die Teilnahme am Totengebet zentral ist. Die Todesnachricht wird deshalb schnell verbreitet, oft von nahestehenden Personen, damit sich die Familie der verstorbenen Person nicht darum kümmern muss. Nach türkischer Tradition wird eine Süssspeise aus Griess für Trauergäste zubereitet, ebenfalls von Angehörigen oder Nahestehenden, um die Familie zu entlasten. Kondolierende bringen Essen mit, damit die Trauernden nicht kochen müssen. Bei einem Todesfall trägt die Gemeinschaft einander: Es wird gemeinsam im Topf gerührt, gemeinsam gebetet, gemeinsam geweint. Das Teilen lindert die Last.
Foto: Jens Zimmer
Am Ende des Anlasses gab es für die rund 40 Teilnehmenden und die Mitwirkenden einen Apéro mit Kaffee und Süssem – darunter die traditionelle türkische Kondolenzspeise «İrmik helva» sowie Trauben, die nach jüdischer Tradition wegen ihrer runden Form als Symbol für das Leben gelten.
Der Workshop bot eine Fülle an praktischen und zugleich tiefgehenden Informationen und machte deutlich, wie stark Lebens- und Trauerformen heute individualisiert sind – ein Punkt, den alle Mitwirkenden hervorhoben. Die Begegnung zeigte sowohl Unterschiede als auch berührende Gemeinsamkeiten der verschiedenen Traditionen auf. Und obwohl das Thema ernst und oft schwer war, entstand ein überraschend warmer Nachmittag, an dem auch viel gelacht wurde.
