Der Stammbaum der Menschheit
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2025 im Brahma Kumaris Rajyoga Meditations-Center
8. November 2025, Cemile Ivedi, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Am späten Samstagnachmittag lud Brahma Kumaris im Rahmen der Woche der Religionen zu einer stillen und besinnlichen Begegnung ein. Zwar fanden sich nur vier Teilnehmende ein, doch entstand eine sehr persönliche, offene Atmosphäre.
Bereits am Eingang begrüsste eine farbenfrohe Flagge die Gäste. Einer der Teilnehmenden freute sich besonders darüber. Sie erinnerte ihn an seine Kindheit in Indien, wo viele spirituelle Gemeinschaften eigene Fahnen führen.
Zu Beginn leitete Ursula Breuss eine kurze freiwillige Achtsamkeitsübung an und sprach anschliessend über die Bedeutung des Baumes als spirituelles Symbol: Ein Baum steht in vielen Kulturen für Leben, Wachstum, Stärke und Verbundenheit. Er nährt sich aus der Erde, strebt dem Himmel entgegen und schenkt anderen Lebewesen Schutz und Kraft. Auch in der Religion, so Ursula Breuss, verbindet der Baum das Irdische mit dem Göttlichen.
Im Anschluss erklärte Anna Ziegler das Konzept des «Kalpa Tree», den Stammbaum der Menschheit nach der Lehre der Brahma Kumaris. Das Wort Kalpa bedeutet «Kreislauf». Der Baum entspringt einem Samen, ein Sinnbild für Gott, der alles Wissen und alle Möglichkeiten in sich trägt. Der Stamm steht für Stabilität, Einheit und Liebe, die Zeit, in der die Menschheit in Harmonie mit sich und der Welt lebte, das sogenannte Goldene Zeitalter.
Nach einer kurzen gemeinsamen Meditation sprach Anna Ziegler über die weiteren Epochen: das Silberne Zeitalter, in dem die Menschen ihre innere Kraft allmählich verlieren, und die darauf folgenden Zeitalter, in denen Religionen entstehen, Tempel gebaut werden und die Menschheit beginnt, sich stärker mit der materiellen Welt zu identifizieren.
Sie zeigte auf, wie sich im Lauf der Geschichte das göttliche Bewusstsein verdunkelte und dennoch in allen Religionen der Wunsch bestehen blieb, zum ursprünglichen Zustand der Reinheit zurückzufinden.
Ob Buddha, Christus oder andere Lehrerinnen und Lehrer jede Religion begann mit einer reinen Botschaft, die im Lauf der Zeit von Machtstrukturen überlagert wurde.
Heute, so Anna Ziegler, leben wir in einer Zeit des Wandels, in der «Nacht der Welt» und zugleich im Moment der Erneuerung. Der neue Baum wächst bereits aus dem alten Samen hervor. Die zentrale Botschaft: Zurückfinden zum Ursprung, zur göttlichen Liebe und Wahrheit, die in jedem Menschen schlummert.
Eine zweite Meditation lud die Anwesenden ein, sich selbst als Bäume zu sehen mit Ästen, die sich dem Licht entgegenstrecken. In der anschliessenden Diskussion wurde betont, dass jede Seele ihren Platz im Baum hat, einzigartig und gleichwertig. Stille, so die gemeinsame Erkenntnis, ist die Urqualität der Seele.
Am Ende blieb die Erkenntnis, dass der «Baum der Menschheit» ein Sinnbild für die gemeinsame Wurzel aller Religionen ist.
Nach der Diskussion wurden die Gäst*innen zu Chai, Kuchen und frischen Früchten eingeladen; alles liebevoll vorbereitet und ansprechend angerichtet. In dieser einladenden, fast familiären Atmosphäre fanden die Gespräche bei Tee und Süssigkeiten ihre Fortsetzung. Es wurde gelacht, nachgefragt und geteilt – ein stiller, herzlicher Ausklang eines Abends, der den Geist der Verbundenheit spürbar machte.
