Perlen der Stille
Gebetsketten im Christentum, Hinduismus und Islam
1. März 2026
Ob Rosenkranz, Mala oder Misbaha – in vielen Religionstraditionen begleiten Perlen das Gebet. Sie helfen, Gedanken zu ordnen, zur Ruhe zu kommen und Spiritualität sinnlich erfahrbar zu machen.
An diesem interaktiven Nachmittag geben Vertreter*innen aus Christentum, Hinduismus und Islam Einblick in die Bedeutung, Symbolik und Praxis ihrer Gebetsketten. Besucher*innen können verschiedene Ketten anschauen, anfassen und deren meditativen Charakter selbst erleben.
Hier hören Sie Gebete, die im Christentum, Hinduismus und Islam mit Gebetsketten in Stille gesprochen werden.
Auditiver Rundgang «Perlen der Stille»
Christlich-orthodoxe Gebetsketten-Rezitation
Vaterunser
Abun d-bashmayo
nethqadash shmoch
tithe malkuthoch
nehwe sebyonoch
aykano d-bashmayo
of b-ar‘o
hab lan lahmo d-sunqonan yawmono
washboq lan hawbayn wahtohayn
aykano d-of hnan shbaqan l-hayobayn
u lo ta‘lan l-nesyuno
elo fasolan min bisho
metul diloch hi malkutho
u haylo u teshbuhto
l‘olam ‘olmin
Amin
Gegrüsst seist du,
Maria
Shlom lech bthulto Maryam,
malyath taybutho, moran ‘amech.
Mbarachto at b-neshe,
wambarach hu firo d-bkarsech,
moran Yeshu‘. O qadishto Maryam,
yoldath Aloho,
saloy hlofayn hatoye,
hosho wabsho‘at mawtan.
Amin
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Gegrüsst seist du, Maria,
voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
Jesus. Heilige Maria,
Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.
Erklärung
In grossen christlichen Traditionen, sowohl katholisch als auch östlich- und orientalisch-orthodox, gibt es Gebetsketten wie Komboskini (griechisch), Tschotki (russisch/slawisch), Masbaha (arabisch/aramäisch) oder den Rosenkranz. Ihr Ursprung liegt bei den altkirchlichen Mönchen des 3.–4. Jahrhunderts in Ägypten, Syrien und Palästina. Knoten oder Perlen halfen, Psalmen, das Jesusgebet oder andere kurze Gebete zu zählen, besonders als viele Menschen noch nicht lesen konnten. Gebetsketten unterstützen dabei, beim Gebet zu bleiben, Gedanken zu sammeln, den Atem zu beruhigen und das Gebet ins Herz sinken zu lassen. Sie können beruhigend oder stärkend wirken oder an Gottes Nähe erinnern. Früher wurden Gebetsketten besonders im Kloster verwendet, heute nutzen viele Gläubige sie auch still im Alltag.
Hinduistische Gebetsketten-Rezitationen
Mantra 1
Om namo Nārāyaṇāya
Erklärung
Dieses Mantra ist ein Ausdruck tiefer Hingabe an Nārāyaṇa (Vishnu/Gott), der im Herzen aller Wesen gegenwärtig ist. Es lädt dazu ein, sich innerlich Gott zuzuwenden und Schutz, Führung und spirituelle Klarheit zu suchen.
Mantra 2
Śrī Rāma Jaya Rāma Jaya Jaya Rāma
Erklärung
Dieses Mantra preist den Vishnu-Avatar Śrī Rāma als Verkörperung von Dharma, Rechtschaffenheit und göttlicher Freude. Das Rezitieren dieses Mantras stärkt Vertrauen, Mut und die Ausrichtung auf ein Leben in Wahrheit und Hingabe.
Mantra 3
Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa
Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare
Hare Rāma Hare Rāma
Rāma Rāma Hare Hare
Erklärung
Dieses Mahāmantra ist ein liebevoller Ruf nach Rādhā und Kṛṣṇa, dem göttlichen Paar. Durch regelmässiges Chanten wird Bhakti (Hingabe) vertieft, das Bewusstsein geläutert und die ursprüngliche Beziehung zur göttlichen Quelle wiedererweckt.
Islamische Gebetsketten-Rezitation
99 Namen Allahs
Und Allah gehören die schönsten Namen, so ruft Ihn mit Ihnen an (Koran 7:180)
Ar-Rahman Der Allerbarmende, voller Mitgefühl
Ar-Rahim Der Barmherzige, der Liebe schenkt
Al-Hakim Der Weise, der alles in Weisheit lenkt
Al-Ghafur Der Vergebende, der Fehler vergibt
Al-Salam Der Frieden, der Sicherheit und Ruhe schenkt
Al-Wadud Der Liebevolle, der Liebe schenkt
Erklärung
Die Namen Allahs erzählen von dem, was stärkt und heilt: Barmherzigkeit, Geduld, Weisheit und Frieden. Wer sie bedenkt, übt sich darin, diese Qualitäten im eigenen Leben wachsen zu lassen.
Dhikr-Gedenken
Die Herzen finden Ruhe im Gedenken Gottes (Koran 13:28)
SubhanALLAH (Gepriesen sei Gott)
Alhamdulilah (Alles Lob und aller Dank gehören Gott)
Allahhuakbar (Gott ist am grössten)
Erklärung
Diese Worte werden im Islam leise wiederholt, oft begleitet von der Misbaha (Gebetskette) in der Hand. Mit jeder Perle richtet sich das Herz neu aus und findet Halt im Rhythmus des Gedenkens.
