Der Guru – Personenkult oder Notwendigkeit?
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2025 im Krishna Tempel Zürich
10. November 2025, Martin Conrad, Generalvikariat der Bistumsregion Zürich-Glarus
Etwa 27 Personen in Socken verfolgten im Zürcher Krishna Tempel in der Bergstrasse gespannt die Ausführungen von Krishna Premarupa Dasa über die Bedeutung des Gurus in der hinduistischen Tradition, insbesondere in der Hare-Krishna-Bewegung. In einer Zeit, in der es Autoritäten einerseits schwerhaben und andererseits übermächtige Männer das Weltgeschehen beherrschen, war dieser Blick auf religiöse Führer spannend und aktuell.
«Schwer, gewichtig», das heisst das Wort «Guru» ins Deutsche übersetzt. Gemeint ist jemand, der schwer beladen mit seinem Wissen über Gott seinen Schülern hilft, sich Gott zu nähern. Krishna Premarupa Dasa nahm in seiner Präsentation kritische Fragen dazu auf: Wozu überhaupt ein Guru? Wie wird man Guru und gibt es auch weibliche Gurus? Weshalb gilt er als gottähnlich? Wie sieht es aus mit der Gefahr eines Personenkults? Er nannte Merkmale eines echten Gurus, z.B. eine demütige Haltung, Erziehung zum Selber-Denken, kein materielles Interesse, Schülernachfolge, das Führen zu Gott und nicht zu sich selbst. Das Sprichwort dazu: «Viele sind Gurus, die den Reichtum ihrer Schüler an sich nehmen, aber selten einer, der das Leid seiner Schüler wegnimmt.»
Die Teilnehmenden an diesem Abend wurden besonders geehrt, indem sie an einer «Guru Puja» teilnahmen und erleben durften, wie A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada durch eine lebensgrosse Figur mit Riten, Licht, Gerüchen und Gesang verehrt wird.
Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden mit feinen Speisen verwöhnt. Es war ein lehrreicher, spannender Abend mit vielen Eindrücken für alle Sinne. Vielen Dank an die Gemeinschaft des Zürcher Krishna Tempels.
