Die Kirche als Arche Noah
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Die Kirche als Arche Noah. Tiersymbolik in Kirchenraum und Brauchtum» aus der Reihe «Mitgeschöpfe. Die Bedeutung von Tieren in fünf Religionstraditionen» im Katholischen Pfarramt Guthirt.
24. Juni 2026, Thomas Lempert, Delegierter des Kulturzentrums Songtsen House
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kirche Guthirt und von Wipkingen bieten die beiden Seelsorgenden eine inspirierende und informative Sicht auf die Beziehung von Tieren und Christentum. Didaktisch geschickt werden die knapp 30 Teilnehmenden in zwei Gruppen bewegt, im Kirchenschiff verbleibt Petra Mühlhäuser, während Marcel von Holzen unten in der Krypta seinen mit einer Powerpoint-Präsentation unterlegten Beitrag leistet.
Im Dunklen der Unterkirche werden wir in das Reich der Fabelwesen und zu den Attributen von Heiligen entführt. Von Holzen hält einen engagierten, mit unendlich viel Wissen und Querverweisen gespickten Vortrag. Die Bildwerke sind Ausgangspunkt der Ausführungen etwa über den Wüstenvater Antonius mit seinem Schwein, das gezähmt die Überwindung der Gier zeigen mag. Auch über Gallus und den Bär, welcher sich unterstützend und nicht mehr feindselig zeigte, sobald die göttliche Autorität akzeptiert war. Etwas zwiespältig erscheinen die Hunde des Dominikus, sind sie doch zähnefletschende Bestien, die ein feines Riechorgan für die Wahrheit des Glaubens aufweisen, aber auch den Feinden des Glaubens den Garaus machen können. Die Schlangen wiederum, die aus dem griechischen Kontext des Uroborus in die christliche Bildwelt wandern, verweisen auf kosmische Unendlichkeit und sind in zahlreichen Bildbeispielen präsent. Oftmals sind verschiedene Symbolgeschichten in einem einzigen Bild vereint, so etwa die Story vom Erzengel Michael, der den Drachen tötet, während eine christliche Jungfrau genau diesen Drachen zart am Halsband führt, also die Power sanfter bändigen kann.
Ruhiger zu und her geht es dann später in der Hauptkirche. Mühlhäuser überrascht die Betrachtenden mit den viel zahlreicheren als ursprünglich vermuteten Tiergestalten in den Stuckaturen, den Gemälden, den Kapitellen der Säulen oder auch auf der Abdeckung des Taufbeckens. Irgendwann verbleibt der Eindruck, dass wir im Kirchenschiff als Menschenwesen in der Minderheit sind. Insbesondere die weiblichen Schafe und Lämmer sind omnipräsent und repräsentieren u.a. die Fähigkeit von Jesus Christus, uns Menschen klar und sanft zum Heil zu führen.
Da ist der Name der Kirchgemeinde (Guthirt) abgebildet. Auch als Attribute etwa der Hl. Agnes neben dem namensgebenden Element (agnus=Lamm) geht es um das Friedliche. Doch auch Tauben (Heiliger Geist) erregen die Aufmerksamkeit. Zudem betrachten wir Muscheln mit der mitgedachten Perle Jesu und der Pelikan bringt dann wieder ein kraftvolles Element, da der Schmutz am Federkleid auch als Blut, damit als Symbol der Aufopferung gesehen wurde.
Auffällig bleibt, dass die Tiere im christlichen Kontext weniger als normale Tiere an sich unterwegs sind, sondern meist Verweischarakter haben und symbolgeladen sind und theologisch aufschlüsselbar.
Zum Abschluss der Veranstaltung fand draussen bei der Kirche ein gemütlicher Apéro statt, bei dem sich die Teilnehmenden in entspannter Atmosphäre austauschen und die gewonnenen Eindrücke gemeinsam ausklingen lassen konnten.
