Ist Gott auch weiblich? Feminine Aspekte des Göttlichen aus hinduistischer Perspektive
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2024 im Omkarananda Ashram
3. November 2024, Katja Joho, IRAS COTIS
«Die Gottheit, die in allen Lebewesen als Mitgefühl anwesend ist, Verehrung sei ihr», sangen die Anwesenden im Omkarananda-Ashram in Winterthur. Im Rahmen der WdR 2024 teilte der Priester Acharya Vidyabhaskar mit seinen Gästen Gedanken über weibliche Aspekte des Göttlichen aus hinduistischer Sicht.
Beim Betreten des Hauses fielen die vielen verschiedenen Schreine auf, die unter einem Dach erstellt worden sind. Sogar ein Heiligtum der Jain-Religion geniesst hier Gastrecht, bis ein eigener Tempel entstehen kann. Die Anwesenden waren um ein messingfarbenes Heiligtum versammelt: ein 300-Kilogramm schweres Sri Chakra, eines der grössten ausserhalb Indiens, aus fünf Metallen bestehend: Gold, Silber, Kupfer, Zink und Eisen. Es stellt das Weibliche dar, ist mit seiner quadratischen Basis und den oberen runden Teilen aus verschiedenen Ebenen aufgebaut und entspricht einem dreidimensionalen Mandala. Einen Eindruck von der Religionspraxis erhielten die Anwesenden bei einer Meditation durch die Ebenen dieses Sri Chakras.
Doch wie wird die göttliche Weiblichkeit gepflegt, erlebt, praktiziert? Mit dem wiederholten Gesang über «weiblichen Qualitäten» – wie in diesem Fall das Mitgefühl – oder auch Seva, dem Dienen, in Form von sozialem Dienst oder von Achtsamkeit gegenüber der Natur. Das Weibliche wird auch bildlich dargestellt: Jedes Detail des Bildnisses von Tripurasundari erzählt eine Geschichte, und die kontemplative Betrachtung schafft Sensibilität für die weiblichen Aspekte des Göttlichen.
Nach einer anregenden Stunde im Tempel rundete ein gemeinsamer Chai mit Gebäck den Abend ab.
