Orient Express Filmtage und Kulturwochen
Erlebnisbericht zur Veranstaltung während der Rahmen der «Woche der Religionen» 2024 im Kino Frame
10. November 2024, Claudia Geiser, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Vom 5. bis zum 10. November 2024 und damit parallel zur WdR fand in Basel, Bern und Zürich zum fünften Mal das «Orient Express Film Festival» (oeff.org) statt, diesmal unter dem Motto «Diversität». Ein besonderer Fokus des Festivals liegt auf dem kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzident. Es wird ausschliesslich von Migrant*innen und Geflüchteten organisiert und zeigt Schweizer Premieren von Filmen aus dem Osten, die international Beachtung gefunden haben und die von Menschen gedreht wurden, die im Osten leben oder ihre Wurzeln dort haben.
In Zürich war ein abwechslungsreiches Programm zu sehen, das auf Themen wie Freiheit und Menschenrechte fokussierte, unter anderem mit den Filmen «Mawtini» und «My Stolen Planet» am 10.11. im Kino Frame. Payal Parekh, die Festival-Verantwortliche für Medienarbeit und Moderationen, begrüsste das Publikum und führte nach dem Kurzfilm «Mawtini» ein Interview mit der Regisseurin Tabarak Abbas. Deren Eltern stammen aus dem Irak, wo auch ihr Film spielt; sie selber wurde in der Schweiz geboren, ist hier aufgewachsen, und «Mawtini» ist der Abschlussfilm ihres Studiums an der HEAD Genève. Abbas’ Film thematisiert, wie ihre Eltern gleich nach Beginn des Kriegs 1991 und der Geburt ihrer älteren Schwester aus dem Irak in die Schweiz flohen. Es ist eine actionreiche und poetische Ode an ihre Eltern, basierend auf den wenigen Anekdoten, die diese über ihre Flucht erzählt haben.
Die Regisseurin von «My Stolen Planet», Farahnaz Sharifi, konnte leider nicht vor Ort sein. Sie erzählt in ihrem Dokumentarfilm von ihrem Leben im Iran. Gewidmet ist er all den Frauen, die dort für ihre Freiheit kämpfen und denjenigen, die dafür mit ihrem Leben bezahlten. Seit Farahnaz Sharifi in die Schule kam, führte sie ihr Leben quasi auf zwei Planeten, demjenigen des Ayatollahs mit seinen rigiden Kleidervorschriften einerseits und ihrem eigenen, verborgenen andererseits, wo sie im Kreis ihrer Familie und später auch ihrer Freundinnen sich selbst sein und sich kleiden und verhalten kann, wie sie will. Dieses Leben in zwei Welten hielt sie in zahlreichen Filmen fest. Sharifi reiste Ende 2022 für ein Studienjahr nach Deutschland, kurz nachdem Jina Mahsa Amini nach der Festnahme durch die iranische Sittenpolizei verstarb. Während ihrer Abwesenheit wurden ihre Freundinnen verhaftet und die Polizei durchsuchte Sharifis Wohnung und beschlagnahmte ihr Filmarchiv, das neben ihren eigenen auch Filme von ins Exil geflohenen Familien enthielt. Letztere zeigen, was seit der Revolution als Verbrechen gilt und nur noch im Verborgenen sein darf, darunter Tanz, Musik und singende Frauen. Sharifi konnte nicht mehr zurückkehren und lebt seither im Exil in Deutschland. Der bedrückende Film endet mit einer hoffnungsvollen Szene, in der die Regisseurin sich als Kind «Frau, Leben, Freiheit» rufen sieht; dieser Ruf vereint sie mit die zahllosen Menschen, die nach dem Tod von Amini weltweit für die Rechte der Frauen im Iran demonstrierten.
