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Rauchopfergabe - im Kloster und zu Hause

Erlebnisbericht zur Veranstaltung aus der Reihe "Duftwelten" im Kulturzentrum Songtsen House am 26.Juni 2015

bild.duftwelt-buddh

Das Songtsen House hat eingeladen und viele sind gekommen, um sich in die Rauchopfergabe einführen zu lassen. Bei diesem Ritual des tibetischen Buddhismus werden die Götter angerufen zum Schutz vor negativen Einflüssen. Nach einer langen Arbeitswoche war mein Bedürfnis nach diesem Ritual, das mir energetische Reinigung versprach, gross. Und tatsächlich liess mich der melodiöse Singsang, mit dem der Abt des Klosters in Rikon das Ritual begleitete, den Arbeitsalltag schnell hinter mir lassen und in eine Sphäre abdriften, in der sich Feriengefühl und Faszination vermischten. Der Duft, der sich durch das Verbrennen des Räucherwerks im Raum verteilte, tat das Seinige dazu.

Bei den anschliessenden Erklärungen des Abtes zeigt sich das grosse Interesse der Besucher und Besucherinnen deutlich. Es entstand eine angeregte Diskussion darüber, um welche Pflanze es sich bei dem verwendeten Räucherwerk handelte. Die finale Antwort ist mir bereits wieder entfallen, ich glaube, es war Zeder - oder aber eben Wacholder. Es war nicht das einzige Mal an diesem Abend, wo ich meine Botanik-Kenntnisse auffrischte beziehungsweise erweiterte. So lernte ich, dass tibetische Alpenrosen nicht mit dem schweizerischen Pendent zu vergleichen sind - eigentlich logisch, bedenkt man, dass die tibetische Variante auf den höchsten Bergen der Welt wächst.

Weiter interessierten sich die Besucher dafür, welche Pflanzen sonst noch verwendet werden dürfen. Die Antwort des Abtes war erstaunlich einfach: Alle Pflanzen, die gut riechen. Ähnlich einleuchtend wurde die Frage nach der zu verwendenden Mischung zwischen trockenen und frischem Räucherwerk beantwortet: Es brauche beides, da das eine besser riecht und das andere besser raucht.

Nach diesem äusserst spannenden Teil, in dem der Abt von Rikon geduldig die vielen Fragen beantwortete, rückte die Frage ins Zentrum, wie die Rauchopfergabe zu Hause ausgeübt wird. Dechen Kaning, die Vizepräsidentin des Songsen-House, gewährte uns dazu einen Einblick in ihren privaten Altarraum. Schon mit den ersten Fotos wurde deutlich, dass es sich dabei um einen ganz besonders eindrücklichen Altar handelte. Und tatsächlich war die Geschichte dazu eine ganz besondere: Dechen reiste nicht weniger als fünf Mal nach Nepal, bis sie einen Altarbauer gefunden hatte, der ihren Ansprüchen genügte. Dieser fertigte dieses ganz besondere Exemplar nach ihren Wünschen an und verschiffte es danach Richtung Schweiz. Dies und der nachfolgende Aufbau in Dechens Wohnung war nur möglich, weil sich der Altar - ähnlich wie Lego - aus verschiedenen Stücken (und ohne einen einzigen Nagel) zusammenstecken lässt.

Dechens Erklärungen zu ihrem allmorgendlichen Ritual machen die Tiefe der tibetischen Religion und Kultur deutlich. Unsere Fragen wurden beantwortet, aber nicht ohne dass uns klar wurde, dass wir viele weitere Fragen haben. Doch die nächste Veranstaltung im Songtsen-House kommt bestimmt. Und ich werde da sein.

Simone Furrer, Delegierte der Fachstelle für Integrationsfragen des Kantons Zürich