Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2024 im reformierten Kirchgemeindehaus Schwamendingen
7. November 2024, Selina Knöpfli
Rund 15 Zuhörer*innen verfolgten die «Bibelstunde zum Matthäusevangelium», die im Rahmen der WdR vom jüdischen Gelehrten Richard Breslauer und seinem guten Kollegen Pfarrer Jiří Dvořáček in Schwamendingen durchgeführt wurde. Richard Breslauer ist nicht nur sehr bewandert in der Jüdischen Literatur, sondern auch ein guter Kenner der Christlichen Schriften – mit viel Verständnis für beide Seiten und seinem feinen Sinn für Humor leitete er durch den Abend und zeigte Verbindendendes und Trennendes im Judentum und Christentum auf. Die Zuhörenden erfuhren, dass viele Gebete und Gebote erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n.u.Z. als Antwort auf den Wegfall des Opferplatzes entstanden.
In dieser Zeit bahnte sich auch die Spaltung zwischen den unterschiedlichen jüdischen Lagern in zwei verschiedene Religionen, Christentum und Judentum an, welche sich in Form von Polemiken sowohl in den christlichen Schriften wie auch in der rabbinischen Literatur niederschlug. Vor diesem Hintergrund sei die Stelle in Mt 12, 1-5 zu verstehen, wo Jesus von den Pharisäern angegangen wird, weil seine Jünger vor Hunger am Sabbat Ähren raufen, erklärte Richard Breslauer. Zwar dürfe man am Sabbat keine Früchte pflücken, weil das Arbeit sei, aber Hunger zu haben am Sabbat sei auch nicht erwünscht. Zudem stünde als oberstes Gebot über allen die Rettung von Leben. Jesus antwortet den Pharisäern an dieser Stelle gemäss jüdischer Tradition und auf rabbinische Art, indem er zuerst ein Beispiel aus den Propheten, dann aus der Tora und danach das allumfassende Grundprinzip, die Barmherzigkeit, anführt.
Durch solche Beispiele und einen vertieften Einblick in die jeweiligen Sichtweisen von Judentum und Christentum inspiriert, durften die Zuhörenden am Abend bereichert nach Hause gehen.
