Schöpfungsgeschichten in den Religionstraditionen
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2024 im Krishna Tempel Zürich
6. November 2024, Christof Meier, Integrationsförderung der Stadt Zürich
Nachdem die diesjährige Veranstaltungsreihe «Vom Anfang der Welt» des Zürcher Forums der Religionen Schöpfungsgeschichten aus verschiedenen Religionstraditionen je einzeln vorstellte, wurden in dieser Veranstaltung die Schöpfungsgeschichten aus dem Christentum, dem Islam und dem Hinduismus vergleichend diskutiert. Unter der Moderation von Sacisuta Dasi vom Krishna Tempel führten Lars Simpson, Sakib Halilović und Krishna Premarupa ein Podiumsgespräch, das anschliessend mit Fragen von den rund einem Dutzend Besuchenden ergänzt und mit einem Imbiss des – wie immer sehr gastfreundlichen – Krishna Tempels abgeschlossen wurde.
In den einleitenden Ausführungen wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die Schöpfungsgeschichte im Islam sehr präsent ist und es an vielen Stellen des Korans Bezüge dazu gibt. Die Schöpfung erfolgte aus dem für den Menschen nicht verständlichen Nichts und in sechs Tagen bzw. Etappen. Speziell im Christentum ist, dass es zwei Schöpfungsgeschichten in der Bibel gibt; die eine ist diejenige mit den sieben Tagen und der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau, die andere diejenige mit dem Apfel und der Rippe. Der Hinduismus wiederum kennt eine primäre und eine sekundäre Schöpfung, aber zentral ist das zyklische Verständnis. Es gibt keinen eigentlichen Anfang, und die sich immer wieder neu manifestierenden Seelen waren schon immer da.
Auf die Frage nach der Rolle des Menschen sahen trotz der gegebenen Unterschiede und der vor allem im Christentum langen Tradition des «sich die Erde untertan machen» alle den Menschen als für die Schöpfung und den Erhalt der Diversität in der Verantwortung stehend – und dies auch von Gott gewollt, damit alle Geschöpfe ihn preisen können. Weiter diskutiert wurden Fragen nach der Bedeutung der Schöpfungsgeschichte im Alltag (im Hinduismus beispielsweise Dankbarkeit), nach den Rollen von Mann und Frau (im Christentum beispielsweise die schwierige Tradition des Sündenfalls), nach dem Warum von «gut» und «böse» (im Islam beispielsweise der Hinweis auf die nicht perfekte Welt) sowie nach der Motivation für eine Schöpfungsgeschichte: es gibt ein Bedürfnis zu wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen.
