Umwelt als Innenwelt
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Mitgefühl im Zen-Buddhismus» aus der Reihe «Bewahrung der Schöpfung. Religionsgemeinschaften und Umweltschutz» im Shōgen-Dojo
14. Mai 2025, Deniz Yüksel, Fachstelle Integration des Kantons Zürich
Die Veranstaltung «Umwelt als Innenwelt. Mitgefühl im Zen-Buddhismus» fand am 14. Mai 2025 im Shōgen-Dojo statt – einem schlichten, ruhigen Kellerraum eines Wohnhauses im Seefeld, an den Wänden japanische Kalligrafie, mit einem Altar und Fotos engagierter Persönlichkeiten. Bereits die Begrüssung – eine Verbeugung mit gefalteten Händen vor der Brust – vermittelte eine Atmosphäre von Achtsamkeit und Konzentration. Die meisten Gäste sassen bereits im Halbkreis am Boden auf Meditationskissen.
Shōkan Oshō Marcel Urech, Rinzai-Zen-Mönch, führte uns zunächst in die Grundlagen des Zen ein. Er erläuterte die historischen Wurzeln und die Unterschiede zu anderen Strömungen des Buddhismus, betonte aber zugleich die zeitlose Aktualität seiner Lehre. Besonders eindrücklich war seine verständliche Sprache bezüglich der buddhistischen Grundsätze: Leiden, so erklärte er, entsteht aus Verblendung, Gier und Hass – und kann enden, wenn diese Ursachen überwunden werden. Alles Leben sei eins und vergänglich und es gelte, die Welt in ihrer jeweiligen Gestalt zu akzeptieren. Der Buddhismus, so Urech, sei deshalb weniger Religion als vielmehr Lebensphilosophie, die eine Haltung der Offenheit, des Mitgefühls und der radikalen Gegenwärtigkeit und Akzeptanz kultiviere.
Der Zusammenhang zwischen individueller Praxis und kollektiven Fragen wie dem Umweltschutz blieb dabei eher angedeutet. Gerade hier drängte sich für mich eine spannende Ambivalenz auf: Wenn buddhistische Lehre dazu auffordert, alles so anzunehmen, wie es ist, und die Arbeit vor allem an sich selbst zu suchen – wie lässt sich das mit aktivistischem Handeln verbinden, das Veränderung und Widerstand verlangt? Diese Frage hätte ich gerne noch vertieft.
Zum Abschluss vertieften wir uns in ausgewählte Texte aus der Zen-Tradition und liessen den Abend mit einer kurzen Meditation ausklingen. Ein Apéro mit Sushi und Tee bot danach Gelegenheit, die Eindrücke in Gesprächen nachklingen zu lassen.
