Es war einmal ein Garten Eden
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Ein jüdischer Blick auf die fragile Welt» aus der Reihe «Bewahrung der Schöpfung. Religionsgemeinschaften und Umweltschutz» in der Jüdischen Liberalen Gemeinde
10. Juni 2025, Bettina Bütikofer, Fachstelle DIA der Stadt Zürich
Nach der herzlichen Begrüssung durch Rabbiner Ruven Bar Ephraïm und der Vorstellung der jüdischen liberalen Gemeinde Or Chadasch sowie des Synagogenraums verteilte er an alle Gäste dreizehn kurze Auszüge aus heiligen jüdischen Schriften und rabbinischen Texten. Sie alle haben einen Bezug zum Umgang des Menschen mit der Schöpfung, also der Natur, allen Lebewesen und unserem Planeten. Den Zitaten waren jeweils Auslegungen von Rabbiner*innen – ältere und zeitgenössische – nachgestellt, die ihre Interpretationen der alten Texte erläuterten. Nach der Lektüre gingen die Gäste in die Diskussion.
Es wurden Verständnisfragen gestellt, Interpretationen hinterfragt und andere Auslegungen vorgeschlagen. Rabbiner Bar Ephraïm ergänzte jeweils den Kontext und zeigte auf, wie aus den oft sehr bildlichen, teils fantastischen und widersprüchlichen Geschichten eine Bedeutung und Aussage herauskristallisiert werden können, ohne am Wortlaut hängen zu bleiben. Fragen beantwortete er oft mit einer Gegenfrage und zeigte so einen neuen gedanklichen Pfad auf.
Während im Text der Genesis der Mensch als «Herrscher» über die Schöpfung dargestellt wird, sehen neuere Interpretationen hier die große Verantwortung, die dem Menschen mit auf den Weg gegeben wurde. Es gibt aber auch zahlreiche Grundlagen, die den Menschen direkt dazu auffordern, achtsam mit der Umwelt umzugehen, den Tieren eine Seele zuzusprechen und nichts zu zerstören. Ein Beispiel ist Kohelet Raba 7,13 aus dem 7. Jahrhundert. «Achte darauf, dass du meine Welt nicht ruinierst und zerstörst, denn wenn du sie zerstörst, wird niemand da sein, der sie nach dir wiederherstellt.»
