Thanuja Thangavel
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Mosaik der Religionen 2025
Mosaik der Religionen 2025
Humor und Religion
16. November 2025, Isabelle Fisher
Der Nachmittag des Mosaiks der Religionen zum Thema «Humor und Religion» wurde durch den Slam-Poeten Etrit Hasler eröffnet, der in TGV-Tempo über das Schubladendenken der Menschen und über die Frage: «Woher kommst du?» sinnierte. Er legte nach und beschrieb, wie er jeweils auf die Nachfrage: «Aber woher kommst du wirklich?» reagiere. Nach dem ersten Auftritt setzten sich die Teilnehmenden an ihren Tischen mit dem Thema Herkunft und Religion und der Möglichkeit, mit Humor unangebrachte Fragen zu kontern, auseinander.
Danach fuhr Etrit Hasler fort mit Witzen über Rabbis und Pfarrer und sprach darüber, dass Selbstironie immer funktioniere. In der zweiten anschliessenden Gesprächsrunde wurde unter anderem darüber diskutiert, inwiefern Witze über die Religionsausübung und die Beziehung zu Gott akzeptabel seien. Während des ganzen Anlasses hörte auch die Illustratorin Kati Rickenbach zu, die am Ende des Nachmittags ihre Gedanken zur Veranstaltung zeichnerisch sehr gelungen darlegte.
Er legte nach und beschrieb, wie er jeweils auf die Nachfrage: «Aber woher kommst du wirklich?» reagiere. Nach dem ersten Auftritt setzten sich die Teilnehmenden an ihren Tischen mit dem Thema Herkunft und Religion und der Möglichkeit, mit Humor unangebrachte Fragen zu kontern, auseinander. Danach fuhr Etrit Hasler fort mit Witzen über Rabbis und Pfarrer und sprach darüber, dass Selbstironie immer funktioniere.
. Das Mosaik der Religionen schloss mit den Worten: «Es macht den Menschen nicht aus, woher er kommt, sondern wohin er gehen will.» Dass während des ganzen Anlasses mehrmals herzhaft gelacht wurde, spricht für sich. Beim abschliessenden Apéro blieben die Teilnehmenden noch lange beisammen, vertieften die Kontakte und tauschten sich über den anregenden Anlass aus.
Dass während des ganzen Anlasses mehrmals herzhaft gelacht wurde, spricht für sich. Beim abschliessenden Apéro blieben die Teilnehmenden noch lange beisammen, vertieften die Kontakte und tauschten sich über den anregenden Anlass aus.
Weitere Impressionen
Mosaik der Religionen 2024
Mosaik der Religionen 2024
Wirkmächtige Frauen in den Religionen
10. November 2024, Isabelle Fisher
Den Abschluss der «Woche der Religionen» bildete wie jedes Jahr das durchs Zürcher Forum der Religionen organisierte interreligiöse «Mosaik der Religionen». Beim Katharinen-Turm zwischen Fraumünster und Stadthaus starteten wir unsere «Reise». Die Co-Präsidentin des Projekts Katharinen-Turm erzählte den interessierten Zuhörer*innen, wie es zum heute stehenden Turm gekommen ist. Dieser wurde gebaut, um wirkmächtige Frauen zu feiern. 500 Frauennamen sind auf dem Turm aufzufinden. Die drei Pfeiler bilden die Stadt Zürich, ihre Architekturgeschichte und ihre Frauengeschichte.
Nach einem kurzen Spaziergang zur Museumsgesellschaft fing der zweite Teil der ausgebuchten Veranstaltung an. Auf dem Podium teilten Ruth Gellis (Judentum), Dechen Kaning (Buddhismus), Dilek Uçak-Ekinci (Islam) und Anna Ziegler (Brahma Kumaris) mit uns, welche wirkmächtigen Frauen aus ihrer Religion sie geprägt haben.
Sei es Ester, die sich seit ihrer Kindheit gegen das Auslöschen des Judentums eingesetzt hat, Tara, die im Buddhismus als Schutzgöttin Belehrungen gab, Umm al-Darda, eine Gelehrte, die auch Männer in der Männersektion im Islam gelehrt hat, oder Dadi Dhyani Ji, die ihr ganzes Leben damit verbracht hat, für andere zu sorgen mit dem Ziel der eigenen Verbindung mit der höchsten Seele – alle Frauen legten einen Mut zutage, den die Referentinnen als Inspiration für ihr eigenes Wirken mitnehmen.
Während eines Apéros mit Pita und Hummus führten die Teilnehmenden die auf dem Podium begonnene Diskussion rege weiter und feierten damit den Abschluss der WdR 2024.
Fotografische Impressionen
Mosaik der Religionen 2023
Mosaik der Religionen 2023
«Erzähl nochmal!» Geschichten aus verschiedenen Religionstraditionen für Gross und Klein
12. November 2023, Christoph Sigrist, Präsident Zürcher Forum der Religionen
Am Sonntagnachmittag trafen sich 50 Personen, Erwachsene und Kinder, zum Mosaik der Religionen. In einem ersten Teil wurden von entsprechenden Personen Geschichten aus verschiedenen Religionstraditionen für Gross und Klein erzählt. Da trafen jüdische Schneider und Rabbiner auf den Propheten Jona im Bauch des Wals im Koran, das Körbchen von Mose auf den schlauen Ganesh. Phantasievoll und engagiert wurde erzählt und ebenso konzentriert hörten Kinder und auch Erwachsene dem interreligiösen Geschichtenladen zu. Den Zugang zu den Religionen über Geschichten ermöglicht, unmittelbar in die Welt und Kultur von Mythen und Märchen, von Poesie und Phantasie zu tauchen.
In der Pause wurden die Teilnehmenden und Mitwirkenden durch die Küche des Quartierzentrums Bäckeranlage grossartig verköstigt. Diese Pause wurde unter anderem für Absprachen und Gespräche zwischen den Mitgliedern des Zürcher Forums der Religionen und Vertretenden anderer Institutionen genutzt, die im interreligiösen Dialog und in der interkulturellen Begegnung tätig sind. Auch die anderen Teilnehmenden und die Kinder genossen den Imbiss.
Nach der Pause führte das Gespräch mit Rolf Bosshart, Mitherausgeber von «Erzähl nochmals! Geschichten aus Religionen, Kulturen und Zeiten» zu interessanten Einsichten und spannenden Fragen, was Geschichten in Bezug auf religiöse Bildung leisten können. Dass dann Religionsvertreter selber Geschichten aus ihren je eigenen Traditionen vorlasen und sie in ihren Kontext einordneten, war für die teilnehmenden Erwachsenen Höhepunkt, während nebenan die Kinder, angeleitet von einer Theaterpädagogin, sich spielend mit den gehörten Geschichten auseinandersetzten.
Fotografische Impressionen
Interreligiöses Friedensgebet
Interreligiöses Friedensgebet
Erlebnisbericht zum Interreligiösen Friedensgebet vom 17. Dezember 2023 im Grossmünster
17. Dezember 2023, Shirtai Holtz, Delegierter der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ)
Angesichts der Situation in Nahost und angesichts ihrer Auswirkungen auf das Zusammenleben in Zürich war es den im ZFR vertretenen Religionstraditionen ein grosses Anliegen, ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Deshalb wurde im Rahmen der Fürbitte im Gottesdienst vom Sonntag, 17. Dezember 2023 im Grossmünster in Zürich ein interreligiöses Friedensgebet durchgeführt.
Vertreter*innen verschiedener Religionsgemeinschaften begleiteten zusammen mit dem ZFR die Bittgebete des Gottesdienstes. Die Fürbitten wurden interreligiös gestaltet, sodass ein Wechselspiel zwischen Chorgesang und Friedensgebeten aus verschiedenen Religionstraditionen entstand. Sowohl im Gesang als auch in der Stille standen die Vertreter*innen für ein friedliches Füreinander ein. In der Rede von Pfarrer Christoph Sigrist wurde den Opfern vom Terroranschlag vom 7. Oktober wie auch den palästinensischen Opfern und allen weiteren Menschen, die Kriegen zum Opfer fallen, gedacht.
Die Stimmung war sehr eindrucksvoll, der Gesang und die Ansprachen gingen durch Mark und Bein und die Atmosphäre was regelrecht greifbar. Das gemeinsame Auftreten des Zürcher Forums der Religionen, um für den Frieden und die Toleranz einzustehen, wurde an die Öffentlichkeit getragen und kann der Schweizer und der globalen Bevölkerung als Vorbild dienen.
Interreligiöser Rundgang 2022
Moscheen, Kirchen und Synagogen. Räume des Glaubens in der Stadt Zürich
Erlebnisbericht zum Interreligiösen Rundgang 2022
18. Mai 2022, Cemile Ivedi, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Am 18. Mai 2022 fanden sich rund 30 Personen vor der Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) an der Nüschelerstrasse ein, um am interreligiösen Rundgang teilzunehmen, auf dem eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee besucht wurden. Das Besondere an diesem Rundgang war nicht nur, dass er als erster Rundgang nach zwei Jahren Pandemie-bedingter Pause stattfinden konnte, sondern auch dass alle Referierenden am ganzen Anlass teilnahmen. Die Gruppe war sehr divers zusammengesetzt.
Shirtai Holtz, Verantwortlicher für Synagogenführungen bei der ICZ, empfing die Gäste und hiess sie in der Synagoge willkommen. Er erzählte, wie er als jüdisches Kind in Zürich aufwuchs und wie er die hebräische Sprache erlernte. Als er erklärte, dass es im Hebräischen Schriften mit Vokalisierung und solche ohne Vokalisierung gibt, wünschte ein muslimischer Teilnehmer, dass Shirtai Holtz etwas vorlas. «– Aber ohne Vokalisierung!» forderte ihn der Teilnehmer schmunzelnd auf. Shirtai Holtz nahm die Herausforderung lachend an und wünschte sich, dass der Teilnehmer im Gegenzug später in der Moschee auch einen arabischen Text ohne Vokalisierung vorlesen sollte.
Ein besonderer Moment war, als Shirtai Holtz den Toraschrank öffnete. Zu sehen waren zwölf in bestickte, samtene Toramäntel gehüllte und mit glänzenden Torawimpeln geschmückte Torarollen. Shirtai Holtz erklärte, dass eine Torarolle für den Gottesdienstgebrauch von Hand geschrieben werden muss. Das Schreiben einer solchen Rolle dauert etwa ein Jahr und ist deshalb entsprechend teuer. Die Torarollen sind also nicht nur in ideeller Hinsicht wertvolle Kunstwerke und Schätze. Nach weiteren Erläuterungen zum Beten im Judentum beendete Shirtai Holtz die Führung in der Synagoge.
Die ganze Gruppe fuhr mit dem Tram nach Schwamendingen, wo Pfarrer Alfred Böni und die Religionspädagogin Frieda Mathis, die gemeinsam die Pfarrei St. Gallus leiten, die Führung übernahmen. Sie erzählten von ihrer Zusammenarbeit, die für eine katholische Kirche eher ungewöhnlich ist.
Beim Eintreten in die Kirche ertönte Orgelmusik und das Leuchten der Buntglasfenster hinter dem Altar tauchte die Kirche in strahlendes, farbiges Licht. Bevor die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt wurden, erläuterte der Organist die Orgel und das Orgelspiel. Dann folgte ein Teil der Gruppe Alfred Böni zur Kreuznische, ein Teil ging mit Frieda Mathis zum Altar. Im Zentrum der Kreuznische befand sich ein mit einem weissen Tuch geschmücktes Kreuz. Das Tuch symbolisiere die Zeit zwischen Ostern und Auffahrt, also die Zeit zwischen Auferstehung und Auffahrt von Jesus. Nach Auffahrt werde wieder das Kruzifix dort stehen, erläuterte Alfred Böni und machte weitere Ausführungen zur Kirche. Dann wechselte die Gruppe zu Frieda Mathis, die ihre Gruppe an Alfred Böni abgab. Neben dem Altar war ein Ständer mit sakralen Gewändern in verschiedenen bunten Farben aufgestellt. Frieda Mathis erklärte, dass das goldene Gewand an den hohen Festtagen Weihnachten und Ostern getragen werde, das weisse während zwei bis drei Wochen nach den hohen Feiertagen, das violette während der Zeit der Vorbereitungen zu Ostern und Weihnachten, das rote ist für Pfingsten vorgesehen und das grüne Gewand ist für die Zeit im Jahreskreis reserviert, also die Zeit, deren Liturgie nicht zur Vorbereitung der Feiern der beiden Hochfeste Ostern und Weihnachten in Verbindung steht.
Dann spazierten alle Teilnehmenden gemeinsam zum Albanischen Kulturzentrum an der Saatlenstrasse, wo Imam Fahredin Bunjaku der Gastgeber war. Er startete seine Präsentation mit der modernen technischen Ausrüstung der sonst bescheiden eingerichteten Moschee, gab eine kurze Einführung zum Islam und erläuterte ein paar Grundbegriffe. «Unsere Moschee ist keine richtige Moschee», sagte Fahredin Bunjaku «Sie hat kein Minarett.» Um den Gästen eine «richtige» Moschee zu präsentieren, zeigte er auf dem Bildschirm das imposante, moderne Gebäude der Kölner Moschee. Eine Moschee sei deshalb so wichtig, weil das Beten in der islamischen Religion sehr zentral sei, erklärte er. Die Räumlichkeiten des Kulturzentrums verdeutlichen, dass eine Moschee auch ein Treffpunkt ist. Die Moschee sollte immer offen stehen, aber da das Kulturzentrum über sehr geringe finanzielle Ressourcen verfügt, sei das nicht möglich, erklärte Fahredin Bunjaku. Als eine Teilnehmerin fragte, ob er als studierter Theologe seinen Lebensunterhalt nicht als Imam bestreiten könne, antwortete er, dass er als Dachdecker arbeite und das Amt des Imams ehrenamtlich ausübe. Nach weiteren Fragen und Antworten wurden die Gäste in den Pausenraum geführt, wo sie ein opulenter Apéro erwartete.
In einer Ecke der Moschee war zu beobachten, wie der muslimische Teilnehmer, der Shirtai Holtz aufgefordert hatte, Hebräisch ohne Vokalisierung zu lesen, mit einem Koran in der Hand zu ihm ging, um sein Versprechen einzulösen, auch einen arabischen Text ohne Vokalisierung vorzulesen. In der Cafeteria wurde derweil der Apéro eröffnet. Salziges, Pikantes, Süsses – alles, was das Herz begehrte, wurde den Gästen offeriert. Die Teilnehmenden sassen in den verschiedenen Räumen mit Mitgliedern des Kulturzentrums zusammen und liessen den Abend mit Gesprächen ausklingen. Während dem Plaudern hallten die Worte von Fahredin Bunjaku nach, mit denen er die Schwamendinger Moschee beschrieb: «Eine kleine Moschee mit grossem Herz.»
Synagogenrundgang 2022
Synagogenrundgang 2022
Erlebnisbericht
31. Mai 2022, Cemile Ivedi, Mitarbeiterin Zürcher Forum der Religionen
Der Synagogenrundgang vom 31. Mai 2022 startete in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich (IRGZ), wo die Religionspädagogin Mirjam Treuhaft die Teilnehmenden empfing. Das Gebäude der Synagoge an der Freigutstrasse wurde in den 1920er-Jahren im Art-déco-Stil erstellt. Im Zentrum der Synagoge steht die Bima, der Platz, wo die Tora während des Gottesdienstes verlesen wird. Die Ecken der Bima waren mit grossen Kerzenleuchtern geschmückt, die den Innenraum der Synagoge erhellten.
Auf fröhliche und unterhaltsame Art erläuterte Mirjam Treuhaft die Aufgaben von jüdischen Frauen und Männern aus ihrer Sicht. Danach führte sie die teilnehmenden Frauen in die Mikwa, das jüdische Ritualbad, das sich im Nebengebäude befindet. Indem Frauen ins Wasser des Ritualbads tauchen, erlangen sie die rituelle Reinheit. Nach weiteren Erläuterungen verabschiedete Mirjam Treuhaft die Gruppe, die sich zu Fuss zur Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) an der Nüschelerstrasse begab.
Ruth Gellis, Projektverantwortliche interreligiöser Dialog bei der ICZ, begrüsste die Teilnehmenden in einem Vorraum der Synagoge. Das 1884 erbaute Gebäude ist die älteste Synagoge Zürichs. Ruth Gellis sprach darüber, dass das Judentum nicht nur ein Glaube sei, sondern auch eine Volkszugehörigkeit beinhalte. Sie erläuterte verschiedene Strömungen des Judentums und erklärte, wie ein Gottesdienst abläuft. Nachdem Ruth Gellis viele Fragen der Teilnehmenden beantwortet und viel Einblick in die jüdische Religionstradition gegeben hatte, wurden die Teilnehmenden zu einer kleinen Stärkung mit Bagels und Muffins gebeten. Danach spazierte die Gruppe gemeinsam zur Synagoge der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch (JLG) an der Hallwylstrasse.
Rabbiner Ruven Bar Ephraïm erzählte, wie die Jüdische Liberale Gemeinde gegründet worden war, wie sie heute aufgebaut ist und welche Angebote Gemeindemitgliedern zur Verfügung stehen. So werden beispielsweise Kinder in jüdischer Geschichte und Hebräisch unterrichtet. Auch für Erwachsene besteht ein Angebot. Er erläuterte, dass eine Synagoge nicht nur ein Gebetshaus ist, sondern ein Haus, in dem sich die Gemeinde versammelt und das deshalb Bet Knesset, Haus der Versammlung, genannt wird. Eine Synagoge diene zum Beten, Essen und Treffen. Durch die Corona-Pandemie kam es zur Nutzung neuer Technologien, so dass Gottesdienste nun auch online stattfinden, erzählte Ruven Bar Ephraïm weiter. Die Erweiterung der Gottesdienste in den virtuellen Bereich habe viele Personen angesprochen, die sonst nie eine Synagoge besuchten, so der Rabbiner. Nach weiteren Erklärungen und Antworten auf Fragen der Teilnehmenden verabschiedete Ruven Bar Ephraïm die Gruppe, welche den vielfältigen Einblicken in Synagogen und jüdische Einrichtungen grosses Interesse entgegengebracht und die Möglichkeit zu diesem Rundgang sehr geschätzt hatte.
Pilgerreisen im Hinduismus
Pilgerreisen im Hinduismus
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Spirituelle Orte und heilige Flüsse» aus der Reihe «Pilgerstätten» im Krishna Tempel Zürich
22. Juni 2022, Hanna Kandal-Stierstadt, Delegierte der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
Schon auf dem Gartenweg vor dem Krishna-Tempel an der Bergstrasse tönt einem der Mantragesang des Chores entgegen: Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare – Hare Rāma, Hare Rāma Rāma Rāma Hare Hare.
Im Innenraum haben sich an die 50 Personen versammelt, um der Krishna-Gemeinschaft auf einer virtuellen Reise zu Pilgerstätten entlang des Ganges-Flusses zu folgen. Zunächst trägt der Gesang die Tempelzeremonie. Vor einer paradiesisch anmutenden Landschaft mit See, Schilf und Lotus-Blüten, Vögeln, Schwänen und Pfauen thronen Statuen der Gottheit in glänzenden Gewändern und mit gütigen Augen. Eine Priesterin grüsst die Gottheit mit Licht und Duft. Sie scheint dafür da zu sein, um der Gottheit zu dienen und dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht. Das gesegnete Licht wird herumgereicht, die Teilnehmenden können sich symbolisch die Barmherzigkeit der Gottheit zufächeln. Am Wohlgefühl der Gottheit haben die Anwesenden rituell Anteil. Das Gesamtbild sagt mir: Alles Gute ist für dich da.
So eingestimmt lasse ich mich gern von Priester Krishna Premarupa Dasa mitnehmen auf die Pilgerreise zu spirituellen Orten und heiligen Flüssen Indiens. Sie tragen so klangvolle Namen wie Devaprayag «Treffpunkt der Götter», Haridvar «Tor zu Gott», Rishikesha «Hauptstadt des Yoga» oder Vrindavana «Geburtsort von Krishna» und Mayapur «Geburtsort des goldenen Avatars».
Im Verständnis der hinduistischen Traditionen ist ein Ort heilig, wenn Gott dort erschienen ist. Die Erscheinung der Göttlichkeit in der Welt heisst Avatar. Die Pilgernden verbinden sich auf ihrem spirituellen Weg mit der Gottheit und sammeln dadurch positive Karmakräfte. Heilige Orte sind nicht unbedingt auf den ersten Blick als solche erkennbar. Oft liegen sie unter der ambivalenten Realität wie unter einem Schleier verborgen. Ihre spirituelle Kraft erschliesst sich den Suchenden. Wer entlang des Flusses Ganga pilgert, kann die Heiligkeit eines Ortes eher durch die Ohren wahrnehmen: im Gurgeln und Fliessen des Wassers, im Klang des göttlichen Namens, im Geräusch der Meditationssteine, die in den heissen Sand fallen…
Gesänge begleiten die zahlreichen Pujas, die entlang der Flussufer stattfinden. Puja wird eine gottesdienstliche Zeremonie genannt, in der alle Elemente der Schöpfung repräsentiert sind. Krishna Premarupa demonstriert im Tempel den Ablauf einer Puja, und die Anwesenden können sich etwas von dem gesegneten Wasser der Ganga auf die Haut tröpfeln.
Als Gast mit christlichem Hintergrund fühle ich mich im Krishna-Tempel gut aufgehoben und getröstet. Die «physische» Präsenz der Gottheit und des spirituellen Meisters wecken mein Vertrauen, dass ich mich dem Fluss des Lebens ohne Angst überlasse. Einige Fragen begleiten mich auf dem Heimweg, wenn ich an mein eigenes reformiertes spirituelles Leben denke: Tun unsere Gottesdienste Gott gut? Ist Jesus ein Avatar Gottes? Wie viel Zeit in meinem Leben widme ich Gott? Was ist für mich die Welt?
Drei Wallfahrtsfeste im Judentum
Drei Wallfahrtsfeste im Judentum
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Pessach, Schawu’ot und Sukkot» aus der Reihe «Pilgerstätten» in der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch
6. Juli 2022, Claudia Geiser, interimistische Co-Leiterin Zürcher Forum der Religionen
Der zweite Anlass der Veranstaltungsreihe «Pilgerstätten» fand am 6. Juli 2022 bei der Jüdischen Liberalen Gemeinde in Zürich statt. Unter dem Titel «Pessach, Schawu’ot und Sukkot» sollten drei Wallfahrtsfeste im Judentum thematisiert werden, die an den Auszug aus Ägypten, den Empfang der Thora und die Wüstenwanderung erinnern. An diesen Festen pilgerte das jüdische Volk während der Zeit des Jerusalemer Tempels nach Jerusalem, um den Tempel zu besuchen und dort Opfer zu bringen. Rabbiner Ruven Bar Ephraïm, der an diesem Abend in die Tradition und Gegenwart des jüdischen Pilgerns eingeführt hätte, war jedoch kurzfristig erkrankt. Glücklicherweise konnte Rabbinatsmitarbeiter Omer Nevo, der den Abend sonst musikalisch begleitet hätte, für ihn einspringen.
Omer Nevo gab dem Anlass ein sehr persönliches Gepräge. Er wollte den 40 Gästen nicht einfach die Feiertage erklären, sondern sie auf eine kleine gedankliche Reise mit Texten mitnehmen und aus der Thora singen. Zu diesem Zweck verteilte er den Gästen sechs Seiten mit 12 hebräischen Texten, die er zuerst singen würde, und deutschen Übersetzungen, die auf seine Bitte hin anschliessend von einzelnen Gästen vorgelesen wurden.
Omer Nevo erklärte, dass es die Pflicht (Mizwa) gibt, während der Zeit von Pessach, Schawu’ot und Sukkot oder an einem dieser drei Feiertage nach Jerusalem zu gehen, und eine solche (virtuelle) Reise nach Jerusalem unternahmen nun alle Anwesenden gemeinsam. Sie wurde begleitet durch Ausschnitte aus dem Deuteronomium und dem 1. und 2. Buch der Könige sowie durch drei Psalmen und einen Text aus der Mischna Bikurim. Die Texte beschreiben, dass «alles, was männlich ist», dreimal im Jahr vor Gott an der von ihm gewählten Stätte erscheinen soll, um das Fest der ungesäuerten Brote [Pessach], das Wochenfest [Schawu’ot] und das Laubhüttenfest [Sukkot] zu feiern. Man soll nicht mit leeren Händen erscheinen, sondern jeder soll geben, was er kann. Dann wird erzählt, wie Salomo und mit ihm ganz Israel 14 Tage lang Pessach feierte und wie glücklich das Volk nach dem Fest war. Vor den Toren Jerusalems singen Pilger ein Wallfahrtslied und wünschen der Stadt Frieden und Sicherheit. In den folgenden Texten geloben die Singenden, dass sie Gottes Diener sind und dass sie in Jerusalem ihr Gelübde vor Gottes Volk erfüllen, Gott ein Opfer des Dankes darbringen und seinen Namen anrufen wollen, und sie preisen Gott. Anschliessend wird beschrieben, wie und mit welchen Gaben die Menschen nach Jerusalem ziehen, wie sie empfangen und zum Tempelberg geleitet werden.
Nun erzählte Omer Nevo vom spirituellen Aspekt der Religion und davon, dass Israel zwar nur ein Land ist, dass dort aber etwas mit den Pilgernden passiert und es das jüdische Volk deshalb immer wieder dorthin zieht. Das treffe auch auf Menschen zu, die vor langer Zeit Israel verlassen hätten. Auch sie würden sich nach einer spirituellen Reise nach Jerusalem sehnen, denn es gebe eben nicht nur die Reise nach Israel oder die Einwanderung dorthin, sondern auch den umgekehrten Weg der Auswanderung.
Auf unserer gedanklichen Reise waren wir nun also in Jerusalem angekommen, aber jetzt passiert dort etwas. Wie der nächste Text, ein Ausschnitt aus dem Buch Jesaia, erzählt, wird der Tempel zerstört und Jerusalem wird verwüstet, oder in den Worten von Omer Nevo: Alles, was man sich gewünscht hat, ist weg, man muss sich ein neues Zuhause suchen und Jerusalem verlassen, und im Herzen beginnt man die Stadt und das Land zu vermissen. So beschreibt auch der folgende Psalm, wie die Menschen an den Strömen Babels um Zion (ein anderer Name für Jerusalem) weinen.
Omer Nevo erläuterte, dass trotz der Zerstörung des Tempels weiterhin die Pflicht bestand, nach Jerusalem zu gehen, aber dies war nur noch in Gedanken möglich, und dazu brauchte man Gebete und Texte. Deshalb sei die Thora geschrieben worden. Wenn man sie öffnet und daraus liest, macht man die Alija, die Wallfahrt nach Jerusalem, und erfüllt seine Pflicht (Mizwa), dort zu sein. Dazu sang er einen Text aus dem Gebetbuch, der den auf immer und ewig regierenden Herrn preist und um Kraft und Frieden für sein Volk bittet.
Omer Nevo erklärte weiter, dass man nicht unbedingt einen Tempel braucht, um zu beten; jeder ist selbst ein Tempel, deshalb kann man auch in die Natur gehen, um die Mizwa zu erfüllen, und so sang er anschliessend den «Gesang der Gräser», in dem unter anderem beschrieben wird, dass aus dem Gesang der Gräser die Melodie des Hirten und der Gesang des Herzens entsteht, und wie schön es ist, den Gesang der Gräser zu hören, unter ihnen zu beten und Gott zu dienen.
Abschliessend folgte ein weiterer Text aus dem Gebetbuch, der auf die Wichtigkeit der Weisung Gottes hinweist, auf die Stärke, das Glück und den Frieden, die entstehen können, wenn man ihren Wegen folgt, und in dem darum gebetet wird, zu Gott zurückgeführt zu werden.
Nach dem Vortrag von Omer Nevo, der mit seinem Gesang und dem Einbezug der Gäste das Publikum sehr berührte, gab es noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Gäste wollten beispielsweise wissen, was es für einen Zusammenhang zwischen Texten und Melodien gibt, wie die Texte gelesen oder rezitiert werden sollten, was man zu Zeiten des Tempels opferte, wie der exakte Tag für die Wallfahrtsfeste berechnet wird und was diese Feste genau bedeuten oder wie gross der Anteil der liberalen Jüdinnen und Juden in Israel ist. Zum Abschluss des Abends wurden Getränke und Snacks offeriert, und viele Gäste nahmen das Angebot gerne an, noch weiter mit Omer Nevo oder untereinander das Thema des Abends zu vertiefen.
Christliche Pilgerbiographien
Pilgern im Buddhismus
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Schweigen und Gehen» aus der Reihe «Pilgerstätten» in der Predigerkirche
13. September 2022, Nilüfer Çetin, interimistische Co-Leiterin Zürcher Forum der Religionen
Der dritte Anlass der diesjährigen Veranstaltungsreihe «Pilgerstätten» fand am 13. September 2022 in der Predigerkirche statt. Die Referierenden, Pfarrerin Kathrin Rehmat und der katholische Theologe Thomas Münch, gliederten ihren Vortrag so auf, dass sie abwechselnd zu Wort kamen.
Kathrin Rehmat erläuterte zu Beginn den lateinischen Begriff «peregrinari», was so viel wie «umherziehen» bedeutet. Dieser Begriff ist seit dem 3. Jahrhundert in Gebrauch. Bevor uns Thomas Münch den Jakobsweg vorstellte, erwähnte er zwei wichtigen Pilgerstätten, die sich hier in der Schweiz befinden: den Pilgerweg zu den Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula und den Pilgerort Kloster Einsiedeln. Dieses Kloster ist ein katholischer Marienpilgerort, obwohl dort noch nie eine Marienerscheinung stattgefunden hat. Der Grund dafür ist eine Legende, die es seit dem 12. Jahrhundert zu einem Pilgerort machte, so Thomas Münch, und zwar die Legende der Engelweihe. Der Bischof von Konstanz, der dieses Kloster ursprünglich einweihen sollte, erlebte eine Vision: Jesus Christus stieg vom Himmel herab, in Begleitung von Engeln, und weihte diesen Ort zu Ehren seiner Mutter. Als der Bischof am nächsten Tag die Einweihung einleiten wollte, so erschien ihm ein Engel und sprach zu ihm, dass dieser Ort schon von Gott eingeweiht wurde. So wurde die Weihung der Kapelle vom Bischof nicht vollzogen.
Nächster Punkt im Programm waren der Jakobsweg und das Pilgern auf Pilgerwegen in diversen europäischen Ländern nach Santiago de Compostela. Neben Rom und Jerusalem gehört Santiago de Compostela zu den bedeutendsten Pilgerzielen im Christentum. Dort liegt der Apostel Jakobus begraben. Für detailliertere Informationen zum Jakobsweg hatte Thomas Münch Franziska Bark vom Pilgerzentrum St. Jakobsweg eingeladen. Sie informierte uns kurz über das Pilgerzentrum und dessen Angebote. Ende Oktober endet das diesjährige Pilgerprogramm, ab Ende Januar 2023 beginnt wieder ein neues Pilgerprogramm. Für Franziska Bark bedeutet pilgern: sich selbst fremdgehen.
Nun war Kathrin Rehmat wieder an der Reihe und stellte uns das Buch «Des Pilgers Wiederkehr» von Walter Nigg vor. Mit den Gedankenstössen von Nigg wird die Reise des Menschen auf der Erde geschildert. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist der Mensch, verbunden mit Mühe, ständig unterwegs. Kathrin Rehmat sprach vom wandernden Volk Gottes auf Erden. Laut Niggs Worten hat das Pilgern ganz tief mit der christlichen Lebensweise zu tun. Die Wanderschaft gehört zur Kirche. Auch ist das Pilgern ganz eng mit der Bibel verbunden. Kathrin Rehmat schlug an dieser Stelle einen Bogen zur heutigen Zeit und erwähnte die Menschen, die auf der Flucht sind und somit auf unfreiwilligen Reisen.
Thomas Münch führte die Gedanken von Kathrin Rehmat weiter und stellte die Frage, wann es denn uns klar geworden sei, dass wir Gast auf Erden seien. Er vertiefte das «unterwegs sein» und das, was es mit uns macht. Gemäss Thomas Münch steht zu Beginn einer Pilgereise oftmals das Ziel im Vordergrund, doch unterwegs gewinnt die Reise selbst die Oberhand und der Inhalt der Reise wird wichtiger als das Ziel. Insbesondere während dem Pilgern in einer Gruppe kann das passieren. Sich mit jemandem zu unterhalten, ob über Gott oder die Welt, die Reise und das Gespräch mit dem anderen können den Fokus des Pilgernden schon ändern, bevor man am Ziel angekommen ist. Man kommt als anderer Mensch wieder zurück. Thomas Münch erklärte, dass das Unterwegs-Sein das Wichtigste während einer Pilgerreise sein könne.
Kathrin Rehmat ergänzt die Gedanken von Thomas Münch und betonte, wie wichtig innovative Kommunikation während der Pilgerreise sein kann. Abschliessend erwähnte sie das Pilgern der orthodoxen Christen, die nach Konstantinopel pilgern.
Nach dem Vortrag konnten die Gäste Fragen stellen. Dann luden die Referierenden die Gäste ein, gemeinsam mit ihnen ein Pilgerlied zu singen, und ein weiteres Lied sangen alle zusammen, ähnlich wie beim Pilgern, auf der kurzen Reise zum Apéro.
























