Perlen der Stille
Perlen der Stille
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Gebetsketten im Christentum, Hinduismus und Islam» im Saal des Debattierhauses «Karl der Grosse».
1. März 2026, Claudia Geiser, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Rund 30 Leute besuchten den vom Zürcher Forum der Religionen (ZFR) im Rahmen des Festivals «Stilles Zürich» organisierten interaktiven Anlass, der um 13 Uhr mit einer kurzen Einführung durch die Vertreter*innen der drei Religionstraditionen begann.
Silvia Stefanos, Co-Präsidentin des Verbandes orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich, erzählte, dass es in allen christlichen Traditionen Gebetsketten gibt; ihr Ursprung liegt bei den altkirchlichen Mönchen des 3. bis 4. Jahrhunderts in Ägypten, Syrien und Palästina. Die Knoten oder Perlen des Kranzes halfen, gedanklich bei den Gebeten zu bleiben und diese zu zählen. Früher wurden Gebetsketten hauptsächlich im Kloster verwendet, heute nutzen viele Gläubige sie im Alltag, indem sie die Kette in die Hand nehmen und still dazu beten. Silvia Stefanos wendet sich beispielsweise mit «Herr Jesu, erbarme dich meiner» an Jesus oder mit dem «Ave Maria», auch Rosenkranzgebet genannt, an Maria als eine Vertraute (Link zu Blatt Gebete Aramäisch-Deutsch). Das gibt ihr Kraft, Hilfe, innere Ruhe und Erleichterung im Alltag und besonders in schwierigen Situationen.
Anschliessend sprach Krishna Premarupa Dasa, Mönch und Priester in der hinduistischen Krishna-Bhakti-Tradition, über die Mala, wie die Gebetskette im Hinduismus genannt wird. Sie hat üblicherweise 108 Perlen; diese Zahl hat eine mythische Bedeutung und bezieht sich auf heilige hinduistische Texte (108 Upanishaden) und die vedische Astrologie (12 Tierkreiszeichen x 9 Planeten). Die Mala begleitet die Meditation, und es werden Mantras dazu rezitiert. Diese heiligen Silben oder Worte, die aus der göttlichen Welt stammen, helfen dabei, den unruhigen Geist von seiner Bindung an die Welt zu befreien und in die innere Stille zu kommen. Krishna Premarupa Dasa tritt beim Singen von Mantras mit der Gottheit, an die er sich wendet, in Verbindung, das Göttliche wird so präsent und gibt ihm Kraft im Alltag.
Nadja Mokdad, muslimische Seelsorgerin am Unispital Zürich, sprach im Anschluss über die Misbaha. Die Gebetskette der Musliminnen und Muslime hat 33 oder 99 Perlen und begleitet beispielsweise das Gedenken an Gott (Dikr) oder das Rezitieren der 99 Namen Allahs, wobei die Gläubigen je nach ihrer Situation einen bestimmten Namen auswählen können. Durch die Perlen entsteht ein Rhythmus, der die innere Sammlung erleichtert und dem Herzen Halt gibt. Weil das Zählen (das auch mit den Fingern möglich ist) den Körper in die Gebete mit einbezieht, werden diese nicht nur gedacht, sondern gelebt. Nadja Mokdad nutzt die Misbaha oft im Spitalalltag. Zwischen den seelsorgerischen Gesprächen kann die Gebetskette Ruhe geben, Verbindung und Präsenz schaffen und an etwas Grösseres erinnern, das einen trägt.
Nach dieser Einführung hatten die Besuchenden die Möglichkeit, an drei Tischen eine halbe Stunde lang Gebetsketten anzuschauen, anzufassen und mit den Mitwirkenden dazu ins Gespräch zu kommen. Aufliegende Blätter mit QR-Code ermöglichten es, auf dem eigenen Smartphone verschiedenen Meditationen und Gebeten in Originalsprachen zu lauschen (Audio Gebetsketten).
Anschliessend leitete Mirjam Läubli, Geschäftsführerin des ZFR, zum dritten Teil über. Nadja Mokdad, Silvia Stefanos und Krishna Premarupa Dasa tauschten sich zuerst untereinander über die Gemeinsamkeiten ihrer Religionstraditionen bei der Verwendung der Gebetsketten aus und standen dann dem sehr interessierten Publikum für Fragen zur Verfügung. Zum Abschluss des Anlasses wurde ein kleiner Apéro offeriert, den viele Besucherinnen und Besucher noch zum weiteren Austausch mit den Mitwirkenden und untereinander nutzten, bis die Veranstaltung um 15 Uhr endete.
