Räume des Glaubens in der Stadt Zürich
Erlebnisbericht zum interreligiösen Rundgang 2025
18. September 2025, Claudia Geiser, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Rund 30 Personen versammelten sich am 18. September 2025 kurz vor 17 Uhr vor der Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) an der Nüschelerstrasse, um am interreligiösen Rundgang «Räume des Glaubens» teilzunehmen. Sie wurden begrüsst von den Vertreterinnen des Zürcher Forums der Religionen (ZFR) und von Shirtai Holtz, Verantwortlicher für Synagogenführungen der ICZ. Dieser erläuterte zuerst im Vorraum anhand eines Modells die verschiedenen Räume des 1887 errichteten Gebäudes, das dem jüdischen Gemeindeleben als Synagoge und als Lehrhaus dient. Anschliessend begab sich die Gruppe in den grossen Synagogenraum, wo Holtz zuerst über die Bedeutung des Gebetstuchs (Tallit) und des Schabbats für ihn persönlich sprach. Dann öffnete er den Vorhang des Thoraschranks und gab damit den Blick auf 12 bekrönte und in prachtvolle Samtmäntel gehüllte Thorarollen frei. Sie haben alle denselben heiligen Inhalt, die fünf Bücher Mose, und sind auch materiell wertvoll, weil es rund ein Jahr dauert, bis eine Thorarolle von Hand geschrieben ist.
Holtz demonstrierte, wie die Rollen mit Hilfe eines kleinen Stabs mit einer Zeigehand gelesen werden, denn sie dürfen nicht mit den Fingern berührt werden. Weiter erläuterte er, dass es sich bei den Punkten im Text um Noten handelt und gab ein Beispiel dafür, wie die Thora gesungen wird. Nachdem er einige Fragen aus dem Publikum beantwortet hatte, verabschiedete er sich und die Gruppe begab sich mit dem Tram zur nächsten Station, der katholischen Kirche St. Gallus in Schwamendingen.
Hier übernahmen Religionspädagogin Frieda Mathis und Pfarrer Alfred Böni, die gemeinsam die Pfarrei leiten, die Führung des Rundgangs. Mathis begann auf dem Vorplatz mit einem Rückblick auf die Geschichte der imposanten Kirche. Der Neubau von 1957/58 wurde nötig, weil zu dieser Zeit zahlreiche katholische Arbeiterinnen und Arbeiter nach Schwamendingen zogen. Als Kirchenpatron wurde ebenfalls ein Reisender gewählt: der heilige Gallus, der gemäss der Legende in Irland geboren wurde und auf seinem Weg durch die Schweiz auch durch Zürich kam. Anschliessend begab sich die Gruppe, begleitet von Orgelmusik, in den Kirchenraum mit seiner besonderen Form, die an einen Hangar erinnert und auf der Ostseite von einem eindrücklichen bunten Glasfenster abgeschlossen wird. Hier erläutert Mathis gemeinsam mit Böni die vier wichtigen «M» des Kirchenraums: Musik (Orgel, Flügel und Konzerte), Möblierung (Kirchenbänke, Stühle, Altar, Lesepult und Taufstein), Mystik (Vielfalt der Texte und Themen im Gottesdienst, das Abendmahl, das an Leib und Blut Christi erinnert, und Gerüche wie Weihrauch) sowie Mode (die liturgischen Farben mit ihrer spezifischen Bedeutung).
Abschliessend erläuterte Mathis, was ihr der Glaube bedeutet, bevor die Gruppe auf der Orgelempore den Erläuterungen von Organist Felix Sutter zur Bedeutung seines Instruments in der katholischen Kirche folgen konnte. Nach kurzen Beispielen für die Klangvielfalt der Orgel folgte Pfarrer Bönis Schlusswort: dass der Glaube das Fundament für alle Menschen sei, unabhängig von Religion und Konfession. Mit diesen Worten ihm Ohr spazierte die Gruppe zur letzten Station, der albanischen Moschee «Haus des Friedens» an der Saatlenstrasse.
Die 20 Jahre alte Moschee war zwar der kleinste der drei besichtigten Glaubensräume, sie ist aber laut Imam Fahredin Bunjaku freitags jeweils so gut besucht, dass das Freitagsgebet zweimal stattfinden muss. Nach dieser Einleitung durften die Anwesenden das rund zehn Minuten dauernde Abendgebet verfolgen, bevor Bunjaku das Wort an seine Tochter Fatime Bunjaku übergab, welche die albanische Moschee vorstellte und die Funktion einer Moschee für Musliminnen und Muslime erläuterte.
Diese dient nicht nur – wie eine Synagoge oder Kirche – als Gotteshaus, in dem man betet und an Gott denkt; man kommt beispielsweise auch, um Freundschaften zu pflegen oder sich sozial einzubringen, auch Koranstunden für Kinder finden hier statt. Dann erklärte sie die wichtigsten Architekturelemente einer Moschee, die Gebetsnische (Mihrab) und die Kanzel für das Freitagsgebet (Minbar), und stellte in einer kurzen Präsentation die fünf Säulen des Islams und ihre Bedeutung vor: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Almosensteuer, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch).
Nach einer kurzen Fragerunde wurden die Gäste in der Cafeteria der Moschee zu einem reichhaltigen und köstlichen Buffet mit verschiedensten selbstgemachten Spezialitäten eingeladen. Die Teilnehmenden nutzten gerne die Gelegenheit, sich noch eine Weile mit Mitgliedern der Gemeinschaft, den Referierenden und den Vertreterinnen des ZFR auszutauschen, und sie bedankten sich für die Gastfreundschaft und für die Möglichkeit, an einem einzigen Abend einen spannenden Einblick in drei Räume des Glaubens zu erhalten.
