Jahr des Mitgefühls
Erlebnisbericht zur Veranstaltung im Rahmen der «Woche der Religionen» 2025 Tibet-Institut Rikon
13. November 2025, Krishna Premarupa Dasa, Krishna Tempel Zürich
Für den 49-jährigen Abt des Klosters, Geshe Tenzin Jangchup, der seit Dezember 2023 als sechster Leiter des Klosters amtet, kann jeder Mensch Mitgefühl lernen: «Jedes Wesen bzw. jeder Mensch hat in sich den Samen, Gutes zu tun. Es gibt zwei Faktoren, wie man zu Mitgefühl gelangt: Erstens erkennen wir (durch die Lehre der Reinkarnation), dass alle Wesen der Welt irgendwann einmal unsere Mutter gewesen sind. Daraus entsteht Liebe zur Mutter – und ebenso die Liebe, die die Mutter uns entgegenbringt. Und zweitens ist Liebe immer in gegenseitiger Abhängigkeit. Wenn man anderen Liebe schenkt, bekommt man Liebe zurück.»
Christian Walti, der neue Pfarrer des Grossmünsters, antwortete auf die Frage, wie man Mitgefühl übt, mit einem praktischen Beispiel aus der Kirche: die Kollekte im Gottesdienst. «Viele haben ein komisches Bild davon, weil sie meinen, das sei der Moment, in dem man quasi Eintritt bezahlen müsse. Aber das ist nicht die Bedeutung der Kollekte. Sie ist eine spirituelle Übung: Ich gebe etwas von dem, was ich habe, weg für jemand anderen, weil dieser es braucht.» Neben der Kollekte sei auch das Gebet, besonders die Fürbitte, eine wertvolle Praxis.
Der islamische Vertreter, Abduselam Halilovic von der VIOZ, hob hervor, dass im Koran jedes Kapitel mit dem Satz beginnt: «Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers.» Für ihn ist Barmherzigkeit einer der zentralen Werte des Islams.
Die drei Religionsvertreter zeigten eindrücklich, dass Mitgefühl in allen Traditionen fundamentale Bedeutung hat. Trotz unterschiedlicher Zugänge betonten sie die Notwendigkeit einer alltäglichen Praxis.
