Vollkommene Welt
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Schöpfungsgeschichte im Islam» aus der Reihe «Vom Anfang der Welt. Schöpfungsgeschichten in den Religionstraditionen» in der Moschee EIMF Masjid Al-Rawdah
3. Juli 2024, Claudia Geiser, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
45 Personen finden sich am 3. Juli 2024 in der sri-lankischen Moschee EIMF Masjid Al-Rawdah in Schlieren ein, um Einblick die Schöpfungsgeschichte gemäss der Lehre des Islam zu erhalten. Nach einer Begrüssung durch Cemile Ivedi vom Zürcher Forum der Religionen (ZFR) stellt Haneef Mohamed Zackariya die Moschee vor, als deren Präsident er amtet. Er erzählt, dass der Moscheeverein 2009 die beiden Stockwerke am heutigen Standort in Schlieren mieten und drei Jahre später mit Mitteln aus der Gemeinschaft kaufen konnte. Dann stellt er das vielseitige Programm der Moschee vor, die nicht nur von muslimischen sri-lankischen Familien, sondern auch von Gläubigen vieler anderer Nationalitäten besucht wird.
Nun gibt er das Wort weiter an Sakib Halilović, der viele Jahre als Imam in der Moschee der Dzemat der islamischen Gemeinschaften Bosniens tätig war. Halilović stammt ursprünglich aus Bosnien, wo er sich auch zum Imam ausbilden liess, und lebt seit langem in der Schweiz. Hier absolvierte er verschiedene Aus- und Weiterbildungen, unter anderem zum interreligiösen Dialog und zur Gefängnisseelsorge, die er seit 2017 vollamtlich ausübt. Halilović freut sich, dass sich so viele interessierte Leute eingefunden haben, denn die Schöpfung sei ein kompliziertes Thema.
Im Koran gibt es zahlreiche Verse zur Schöpfung der Welt durch Gott bzw. Allah (das arabische Wort für Gott), und schon die erste Sure nennt Gott den Herrn der Welten. Zu deren Anzahl haben Gelehrte verschiedene Aussagen gemacht, von tausenden bis zu zehntausenden. Gott schuf jedenfalls alles, was ausser ihm selber existiert: Himmel und Erde, Berge und Wasser, Tag und Nacht, Sonne und Mond und alle Geschöpfe zwischen Himmel und Erde. Zuletzt erschuf er aus Lehm einen Menschen, er hauchte ihm seinen Geist ein und erschuf aus ihm dessen Gattin und aus diesen beiden alle Männer und Frauen, die zu Völkern und Stämmen wurden. Gott schuf auch alles, was wir wissen und was wir nicht wissen. Zusammengefasst wird im Islam die Schöpfung der Welt und des Universums verstanden als das Werk eines allmächtigen Schöpfers, der alles in perfekter Ordnung geschaffen hat.
Gemäss Koran tat Gott dies in sechs Tagen; so steht es auch in der Bibel, und Halilović erklärt, dass die Quelle dieselbe sei und Abraham, Moses und Jesus für den Islam Propheten seien wie auch Mohammed einer war. Gott verstehe unter einem Tag allerdings einen viel grösseren Zeitraum als wir Menschen.
Neben dem Koran sind für Muslim*innen auch die Hadithe wichtig, die Überlieferungen der Worte von Mohammed und weiterer Propheten. Oft sind es Erläuterungen zu koranischen Versen, bezüglich Schöpfung steht beispielsweise in der Hadith-Sammlung des Sahīh al-Buchārī: «Vor der Schöpfung des Himmels und der Erde war nichts ausser Allah. Sein Thron war über dem Wasser, und er schrieb alles in das Buch, und dann erschuf er die Himmel und die Erde.»
Generell ist die Schöpfung des Menschen im Islam ein bedeutendes Thema, denn der Mensch trägt Gottes Geist in sich, gilt als Statthalter Gottes auf Erden und hat entsprechend eine grosse Würde und Verantwortung. Obwohl der Mensch nicht ideal ist und nicht nur besser als Engel, sondern auch schlimmer als Tiere sein kann, sollte er gerecht, verantwortungsbewusst, moralisch und ethisch handeln, um die anderen Menschen und die Umwelt zu bewahren.
Nach diesen abschliessen Worten von Sakib Halilović und der Beantwortung zahlreicher Fragen aus dem Publikum lädt Haneef Mohamed Zackariya die Anwesenden zu einem reichhaltigen und köstlichen Apéro ein, bei dem die Gastgeber viele weitere Fragen beantworten und die Teilnehmenden sich auch untereinander noch lange und angeregt austauschen.
