Tamilisches Neujahrsfest
Tamilisches Neujahrsfest
Medienbericht zur Veranstaltung «Tamilisches Neujahrsfest. Tamilische Hindus feiern Neujahr» zur Veranstaltungsreihe «Feste feiern».
Artikel von reformiert. (nr.5.2 / 11. Mai 2012)
Artikel von reformiert. (nr.5.2 / 11. Mai 2012)
4. Juni 2012, Andrea Müller
In Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Songtsen Haus in Albisrieden, organisierte das Zürcher Forum der Religionen im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Feste feiern» einen Abend zum Feiertag Saga Dawa – der Tag zum Beginn des tibetischen Freudenmonats. Geburt, Tod und Erleuchtung von Siddharta Gautama, dem historischen Buddha, waren die Themen. Wer nicht pünktlich um 19.30 Uhr im Songtsen Haus eingetroffen war, konnte sich nur mit Mühe und Not noch einen der begehrten Stühle erhandeln. Der Saal war bis auf den letzten Platz voll, das Interesse an der Veranstaltung überwältigend gross. Auf die Sitzkissen am Boden war der Andrang etwas zurückhaltender, denn wer ist sich schon gewohnt, eine Stunde oder mehr in aufrechter Haltung im Schneidersitz auszuharren? Hin und wieder wurden Beine gestreckt, Rücken gekrümmt, Hände zur Stütze umfunktioniert oder die Sitzposition wurde gleich voll und ganz gewechselt. Sichtlich weniger Probleme damit hatten die Mitorganisatorin des Songtsen House, Dechen Kaning , und der Abt Geshe Thupten Legmen vom klösterlichen Tibet-Institut Rikon – der Mann im roten Mönchsgewand war die zentrale Person des Abends. Er führte durch die Gebetszeremonie und vermochte problemlos die anfänglich hektische Personenflut zu bändigen, und durch das Gebetsritual eine meditative Stimmung im Raum auszubreiten. Spätestens als die rhythmisch und klangvoll rezitierten Gebetstexte den Saal erfüllten, waren alle auch mit ihren Gedanken zur Ruhe gekommen.
Interaktiv ging es dann aber nach dem Gebet weiter. Der Abt forderte das Publikum auf, zusammen mit ihm verschiedene Mantras zu singen. Ohne Scheu und mit viel Taktgefühl wurden schliesslich die Texte einstudiert, geübt, wiederholt, korrigiert, gesungen, nochmals wiederholt, solange bis der Abt – trotz restlichen Missklängen und Unsicherheiten – ganz zufrieden war. Es wurde nicht selten gelacht, als die Mantras gelehrt wurden und mit derselben Leichtigkeit und Offenheit machte Geshe Thupten Legmen noch einige Ausführungen zum Fest Saga Dawa und seiner Bedeutung. Immer wieder kam er dabei auf allgemeine buddhistische Werte und Glaubensinhalte zu sprechen, was sehr bereichernd war und die Leute zum Nachdenken anregte. Zum Schluss gab es noch die Möglichkeit Fragen zu stellen und Dechen Kaning, die Präsidentin des Kulturzentrums Songtsen House, ergänzte Wissenswertes über die festlichen Aktivitäten rund um Saga Dawa auch in der Schweiz. Das Resultat der vielen Informationen und der Herausforderung der Mantras, war ein hungriges Publikum. Das haben die OrganisatorInnen zum Glück im Voraus bedacht und sie boten mit einem köstlichen Tibetischen Buffet einen gelungenen Abschluss dieses Abends. Ob Salziges oder Süsses, die Kostproben waren im Nu verschwunden. Die Erinnerungen sind glücklicherweise nachhaltiger.
12. Juli 2012, Andrea Müller
Der neunte Tag im Monat Av (hebr. tisch’a beAv) beendet die dreiwöchige Trauerzeit um die zweifache Tempelzerstörung in Jerusalem. In den Synagogen ertönen an diesem Tag Klagelieder, man betet auf einer niedrigen Bank, das Licht ist gedimmt, der Vorhang und die Decke beim Toraschrein und beim Pult werden entfernt. Die Gemeinde fastet, die Schuhe – als Zeichen von Reichtum geltend – werden ausgezogen. Es herrscht Trauerstimmung.
Die Bedeutung dieses Fast- und Trauertages sowie die Bedeutung der Trauer im Judentum allgemein, waren Thema der Beiträge von Ruth Gellis, Projektbeauftragte der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) für den interreligiösen Dialog, und Gemeinderabbiner Marcel Ebel anlässlich der Festefeiern-Veranstaltung vom 12. Juli 2012 in der Synagoge ICZ in Zürich.
Die rund 80 Personen hörten gespannt den Ausführungen der beiden wortgewandten Rednern zu. Zunächst schilderte Ruth Gellis die talmudische Erzählung von Kamza und Bar-Kamza, welche als eine mögliche Erklärung für die Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem gilt. Marcel Ebel holte etwas weiter aus und brachte Gedanken zur Trauer im Judentum im Allgemeinen ein. Er begann mit einer breiten Perspektive auf alle Religionen und betonte, dass der Kreis von Trauer, Trost und der anschliessenden Rückkehr ins «richtige Leben» nach einem schweren Verlust bei allen Menschen der Gleiche sei und schlug damit die Brücke zur Thematik des Abends. Zur Veranschaulichung des Gegensatzes zwischen traurigen und fröhlichen Zeiten, spielten Ruth Gellis und Marcel Ebel Musik ein. Zu hören waren einerseits Klagelieder, andererseits auch fröhliche, oder wie sie Ruth Gellis selbst bezeichnete, «lüpfige» Melodien. Das Wechselspiel von Trauerzeit und Normalität wurde in allen Aspekten der Veranstaltung betont und mit Beispielen aus rituellen Praktiken des Judentums erklärend geschildert.
Anschliessend bot sich dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Nachgefragt wurde unter anderem, wie wahrscheinlich es sei, dass in naher oder ferner Zukunft ein dritter Jerusalemer Tempel aufgebaut würde. Der Rabbiner erklärte, nicht die rationale Wahrscheinlichkeit, sondern der feste Glauben daran, dass es geschehen werde, sei wesentlich. Seine Antwort umrahmte er mit einer bekannten Geschichte:
Ein Rabbi brachte einem in Probleme geratenen Kloster die Weisung, der Messias sei unter ihnen, worauf die Mönche ganz verwirrt waren und sich fragten, welcher von ihnen nun denn der Messias sein könnte. Weil alle vermuteten, der andere könnte es eventuell sein, begegneten sie sich plötzlich mit grosser Aufrichtigkeit, lebten friedlich zusammen und es breitete sich eine Warmherzigkeit aus, welche im ganzen Tal zu spüren war. Daraufhin wurde das Kloster wieder beliebt und viel besucht, denn die Leute waren vom Leben der Mönche sehr beeindruckt.
Weiter stellte das Publikum konkrete Fragen zu religiösen Praktiken am 9. Av. Diese wurden von den beiden Veranstaltern mit Humor und unter Einbezug persönlicher Erfahrungen beantwortet. Rabbiner Ebel meinte zum Schluss mit Augenzwinkern, dass das Fasten am 9. Av natürlich nicht bei allen so beliebt sei, besonders bei Leuten mit tiefem Blutdruck. Und ergänzend fügte Ruth Gellis hinzu, dass sie persönlich den 9. Av hauptsächlich «in der Horizontalen» verbringen müsse.
Es waren solche Geschichten, persönliche Anekdoten und die rhetorischen Fertigkeiten der Redner, welche diesen Anlass zu etwas ganz Besonderem machten. Das Publikum bedankte sich mit einem grossen Applaus.
Bilder zur Veranstaltung «Kochen als Yoga» vom 7. November 2012 im Krishna Tempel Zürich.
Bilder zur Veranstaltung «Wo Muslime beten, lernen und feiern» vom 10. November 2012.
Artikel zur Veranstaltung «Missionieren – Auftrag oder Ärgernis?» vom 8. November 2021 in reformierte presse Nr. 47 / 23. November 2012.