Heiliges Rot
Heiliges Rot
Erlebnisbericht zur Veranstaltung «Das Gewand der tibetischen Mönche» aus der Reihe «Umhüllt. Kleidung im religiösen Kontext» im klösterlichen Tibet-Institut
23. Mai 2023, Cemile Ivedi, Geschäftsstelle Zürcher Forum der Religionen
Wir waren zu Gast im klösterlichen Tibet-Institut und durften für einen Abend in die besondere Atmosphäre dieses spirituellen Ortes eintauchen. Eine schmale Waldstrasse führte den Hügel hinauf. Zwischen den grünen Blättern der Bäume blitzten immer wieder Farbtupfer auf: Gebetsfahnen, die im Wind flatterten und den Weg zum Kloster säumten. An einer kleinen Lichtung wurde klar – hier beginnt ein anderer Raum, ein Ort der Stille und Sammlung.
Begrüsst wurden die Gäste von Philip Hepp, Kurator am Tibet-Institut, der zunächst in die Geschichte und Gründung des Instituts einführte. Anschliessend übergab er das Wort an Geshe Thupten Legmen, den Abt des Klosters und fünften Abt in der über fünfzigjährigen Geschichte des Instituts. Gemeinsam führten sie durch den Abend, der sich ganz der Kleidung der Mönche widmete.
Der Abt erklärte, dass es im tibetischen Buddhismus viele Rituale und Gebete gebe, der Fokus dieses Abends jedoch auf den Gewändern liege. Je nach Tradition tragen Mönche unterschiedliche Hüte, während die Grundform der Kleidung mit kleinen Variationen weitgehend gleichbleibt. Die Farben Safran, Orange und Bordeauxrot gehen gemäss Überlieferung auf Buddha selbst zurück. Bordeauxrot strahle Wärme aus, könne jedoch in heissen Regionen wie Indien sehr warm sein, weshalb dort oft weiss getragen werde. Auch die Zugehörigkeit zu Sutra- oder Tantra-Schulen spiele bei der Farbwahl eine Rolle.
Die Kleidung besteht aus mehreren Tüchern: einem Untergewand für die untere und eines für die obere Körperhälfte, darüber ein Obergewand, das die rechte Schulter freilässt. Ein Tuch wird stets über die linke Schulter gelegt, aus Respekt gegenüber dem Dalai Lama. Ein Arm bleibt frei, um Beweglichkeit zu ermöglichen. Kleidung mit Ärmeln ist Mönchen im Kloster nicht erlaubt und nur ausserhalb, bei grösserer Distanz zum Kloster, gestattet. Während Ritualen wird die Kleidung angepasst: Tücher werden je nach Handlung über Schulter, Rücken oder um den Bauch gelegt.
Zur Ausstattung gehört auch die Gebetskette, die Rosary (Rozi), mit der Mantras rezitiert werden. Der Abt betonte, dass äussere Zeichen wie Kleidung zwar sichtbar seien, der eigentliche Fokus jedoch auf dem inneren Wandel liege: Tiefe Zufriedenheit entstehe nicht durch Besitz, sondern durch innere Entwicklung. Schnitte und Details der Gewänder erinnerten bewusst daran, sich nicht an Eigentum zu binden.
Ein weiterer wichtiger Gegenstand ist die Khata, ein langer weisser Seidenschal. Der Abt erklärte seine Bedeutung, bevor er Fragen aus dem Publikum beantwortete. Die Khata stehe für ein reines, warmes Herz; ihre Länge symbolisiere die Dauer der Beziehung zwischen Schenkenden und Beschenkten. Sie wird zu verschiedenen Anlässen wie Hochzeiten, Beerdigungen oder offiziellen Begegnungen überreicht.
Zum Abschluss überreichte der Abt den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle des Zürcher Forums der Religionen eine seidene Khata – diese war besonders lang. Beim anschliessenden Apéro wurden die Gespräche weitergeführt, Fragen vertieft und Eindrücke geteilt. Auf dem Heimweg führte der Weg erneut durch den nun stillen Wald. Der Regen hatte aufgehört, und die Gebetsfahnen leuchteten noch einmal zwischen den Bäumen.









